Kategorie: Thorsten Krämer
Hernández: Martín Fierro

Der Gaucho Martín Fierro von José Hernández Historische Texte haben gegenüber zeitgenössischen den Vorteil, dass man sie auf das hin lesen kann, was sie über eine dem Leser nicht mehr präsente Zeit und Gesellschaft verraten. Im Falle des Gauchos liegt diese Lesart besonders nahe. Denn nicht nur zwischen den Zeilen wird hier einiges über das Argentinien der zweiten Hälfte des [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 6 Kommentaren
Eskatologie

Ich hatte ja schon angekündigt, noch ein wenig zum letzten Satz des Buches zu sagen, genauer zum letzen Wort: “mierda”. Dieses Wort aus dem Mund eines Priesters ist an sich schon erstaunlich; wenn man bedenkt, dass es vermutlich auch noch das letzte Wort dieses Geistlichen ist, bekommt diese Äußerung etwas Skandalöses. Wo andere sich auf dem Sterbebett in letzter Minute [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 4 Kommentaren
Da capo

Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass nichts stimmt von dem, was Urrutia in seiner letzten Nacht erzählt. Warum erzählt er es dann? In Abwandlung des berühmten Satzes von Wittgenstein könnte man sagen: Wenn man über etwas nicht sprechen kann, muss man über etwas anderes sprechen. Neurodermitiker wissen: man kann das Kratzen nicht völlig unterlassen, aber man kann dort [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 1 Kommentar
Man gewöhnt sich…

Man gewöhnt sich an allem* Mit der Zeit lässt die Wachsamkeit nach: Mit dieser Erkenntnis erklärt sich Urrutia, wie es dazu kommen konnte, dass einer der Gäste im Keller des Hause von Maria Canales einen gefolterten Gefangenen entdeckt. Und auch jeder Schrecken verliert mit der Routine an Macht. Das Problem mit diesen beiden Weisheiten: Sie widersprechen einander. Denn umso größer [...]

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Sebastian und Sebastian

Sebastian und Sebastian Im Haus von Maria Canales trifft Urrutia deren Sohn, der wie er selbst Sebastian heißt. Allein dieser Umstand ist Grund genug, dass er dem Jungen eine gewisse Aufmerksamkeit entgegenbringt. Als er das Kind im Gesicht berührt, spürt er dessen Kälte, und ihm kommen fast die Tränen. An einem anderen Abend taucht der kleine Sebastian genau in dem [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 4 Kommentaren
Der Grünschnabel…

Der Grünschnabel auf allen Vieren Da ist er wieder: Während er sich an die Zeit der Ausgangssperre unter Pinochet erinnert, sieht Urrutia plötzlich den vergreisten Grünschnabel wieder. Er sieht ihn nicht wirklich, nur vor seinem inneren Auge, aber auch dieser innere Anblick bleibt unklar: Ist es eine Erinnerung, ein Traum, eine Vision, eine bloße Vorstellung? Jedenfalls kauert der Grünschnabel auf [...]

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General Pinochet

Was Sie schon immer über General Pinochet wissen wollten… …aber Bruder Urrutia nicht zu fragen wagten: Wer hätte das gedacht – ausgerechnet der Anführer des chilenischen Militärputsches entpupt sich als homme de lettres! Die Geschichtsbücher müssen nach dieser Enthüllung Urrutias neu geschrieben werden. Denn nicht die vermeintlichen Intellektuellen in der lateinamerikanischen Politik sind es, die Bücher lesen und schreiben, sondern [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 1 Kommentar
Verbotenes Wissen

Verbotenes Wissen Erneut bekommt Urrutia Besuch von Furcht und Hass. Die beiden nehmen ihn ziemlich in die Mangel; sehr schnell hat er den Eindruck, dass es bei ihren Fragen keine richtigen Antworten gibt. Nach einigem Lavieren kommt schließlich heraus, dass ihre Fragen zu seinen Marxismuskenntnissen darauf abzielen, dass sie einen Privatlehrer für Pinochet und seine Vertrauten suchen. Eine Aufgabe, die [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 3 Kommentaren
Freuden der Jagd

Die beiden Herren, die Urrutia nach Europa schicken, tragen zwei seltsame Namen: Odeim und Oido – das sind die spanischen Worte für Furcht und Hass rückwärts geschrieben. Das erklärt vielleicht das ungute Gefühl, dass Urrutia in ihrer Gegenwart stets befällt, oder auch schon beim bloßen Gedanken an sie. Aber wie verhält sich dieses Gefühl zu der Mission, mit der sie [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 10 Kommentaren
Wer hat Angst?

Wer hat Angst vorm vergreisten Grünschnabel? Im fünften Satz des Buches wird ihm bereits die Schuld gegeben: dem vergreisten Grünschnabel. In der englischen Übersetzung ist es ein ‘wizened youth’, und sobald ich diese Formulierung las, musste ich sofort an Arturo Belano denken, d.h. eigentlich noch mehr an Ulisses Lima. Jedenfalls überkam mich die Hoffnung, auch in diesem Roman einen Gastauftritt [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 10 Kommentaren
Abschlussfragen an T.K.

Welches Kapitel hat Dir am besten gefallen? Am besten hat mir Kapitel 8 gefallen, mit dem Showdown, der keiner ist. Welche Figur ist Dir Nahe gegangen? Der Junge, der in Kapitel 8 gerettet wird: Juan de Dios Montes. Wie ist Auxilio Lacouture nun – rückblickend – wieder in den DWD-Komplex einzuordnen? nteressant finde ich, dass sie bei ihrem Auftritt in [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 1 Kommentar
Das Ende ?

Ich weiß noch nicht, wie ich dieses Ende finden soll. Wenn ich es vom Anfang her lese, bin ich enttäuscht, denn Auxilio ist ihrer Ankündigung nicht nachgekommen: Sie wollte eine “Horror-Geschichte” erzählen, aber sie hat nicht eine, sondern viele Geschichten erzählt. Durch die in der ersten Hälfte immer wieder eingestreuten Hinweise auf Lilian Serpas entstand bei mir der Eindruck, dass [...]

Von Marvin Kleinemeier mit 19 Kommentaren