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		<title>Der Teil der Kritiker (- S. 201 HC / 217 TB)</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 13:17:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1. Kritiker]]></category>
		<category><![CDATA[2666]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Teil der Kritiker neigt sich dem Ende zu und wirft Fragen über Fragen auf. Vor allem auf das Fazit unserer Neulinge bin ich gespannt! Wie hat Euch der erste Teil gefallen? Wer hat vielleicht schon aufgegeben?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg"><img title="zwe666" src="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg" alt="" width="590" height="280" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Der Teil der Kritiker neigt sich dem Ende zu und wirft Fragen über Fragen auf. Vor allem auf das Fazit unserer Neulinge bin ich gespannt!</p>
<ul>
<li>Wie hat Euch der erste Teil gefallen?</li>
<li>Bolaño hatte ja vor, alle Teile als einzelne Romane zu veröffentlichen, wie hätte Euch der &#8220;Teil der Kritiker&#8221; denn als für sich stehender Roman gefallen?</li>
<li>Welche Erwartungen habt Ihr an das nächste &#8220;Kapitel&#8221;?</li>
<li>Wer hat vielleicht schon aufgegeben?</li>
<li>Habt Ihr einen Lieblingscharakter?</li>
<li>Welche Stellen haben Euch am besten gefallen?</li>
<li>Entspricht der Text Euren Erwartungen im Vorfeld des Leseprojekts?</li>
<li>Ist unsere Lesegeschwindigkeit zu schnell oder zu langsam?</li>
</ul>
<p>Bitte diskutiert wieder hier mit der Kommentarfunktion! (Auch wenn die manchmal etwas zickig ist)</p>
]]></content:encoded>
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		<title>DU-Sonderausgabe zu Roberto Bolaño</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 14:09:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Informationen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die vorletzte Ausgabe des DU-Magazins hat sich ausführlich mit Roberto Bolaño beschäftigt. Wir verlosen 5 Ausgaben und gewähren zusätzlich allen wilden Lesern 50% Rabatt auf ihr Exemplar! ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1631" title="Du_819_Bolano_650px" src="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/10/Du_819_Bolano_650px-228x300.jpg" alt="" width="228" height="300" /></p>
<p style="text-align: justify;">Die vorletzte Ausgabe des DU-Magazins hat sich ausführlich mit Roberto Bolaño, seinem Werk, seinem Leben und seinen Freunden beschäftigt. Die Ausgabe ist eine wahre Fundgrube für Bolaño-Fans und ein toller Einstieg für alle, die ihn noch nicht kennen! Auch ein Beitrag von Wilde-Leser.de ist dort zu finden!</p>
<p style="text-align: justify;">Verlagsleiter Oliver Burger kennt uns und unsere Seite und hat ein tolles Angebot für die wilden Leser: Alle, die sich <a href="mailto:oliver.burger@du-magazin.com">per Mail</a> bei ihm melden, können die Ausgabe 50 % günstiger erstehen! Für 7,50 € plus Versand sind die Exemplare zu haben, wenn ihr in der Mail zu erkennen gebt, dass ihr den Hinweis darauf hier bei uns gefunden habt!</p>
<p style="text-align: justify;">Zusätzlich hat mir Herr Burger noch 5 Exemplare zur Verlosung bereitgestellt, was ich hiermit gerne tun möchte: Unter allen Kommentaren zu diesem Beitrag, allen Retweets oder Teilungen bei Facebook und Kommentaren auf unserer Facebook-Seite werden die 5 Exemplare verlost und dann vom Verlag an die Gewinner versendet. Mitmachen könnt Ihr bis zum kommenden Dienstag, den 11.10.!</p>
<p style="text-align: justify;">Viel Glück!</p>
<p style="text-align: justify;">&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Das geheime Buch und der geheime Schriftsteller</title>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 13:53:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1. Kritiker]]></category>
		<category><![CDATA[2666]]></category>
		<category><![CDATA[Gastbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[Leserunden]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein einschlägiger Werbespruch besagt, dass wir – die Wilden Leser – Lesen als Abenteuer begreifen. Als ich mit 2666 begonnen habe, bemerkte ich, dass wir damit nicht alleine sind: Zumindest drei der Kritiker, Pelletier, Espinoza und Morini, sind der Lektüre Archimboldis genauso verfallen wie wir 2666... ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Das geheime Buch und der geheime Schriftsteller </strong><em>von Jan Fries</em></p>
<p style="text-align: justify;">Ein einschlägiger Werbespruch besagt, dass wir – die Wilden Leser – Lesen als Abenteuer begreifen. Als ich mit 2666 begonnen habe, bemerkte ich, dass wir damit nicht alleine sind: Zumindest drei der Kritiker, Pelletier, Espinoza und Morini, sind der Lektüre Archimboldis genauso verfallen wie wir 2666. Wie wir suchen sie Bücher von einem ominösen Autor, stöbern seine seltenen oder gebrauchten Bücher in verschiedenen Sprachen auf, lesen, übersetzen und kommentieren sie. Wir sind auf der Suche nach dem geheimen Buch und wollen dessen Sinn verstehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Suche nach und das Geheimnisvolle um Archimboldis Bücher erinnert mich sehr stark an den Roman Das neue Leben von Orhan Pamuk. Osman, der Protagonist, erzählt dort: „Eines Tages las ich ein Buch, und mein ganzes Leben veränderte sich. [...] Und mir kam der Gedanke, ich würde neu und anders werden in diesem Licht, und ich ahnte, es würde mich auf einen anderen Weg führen, dieses Licht, und ich nahm in diesem Licht die Schemen eines Daseins wahr, das ich später kennenlernen, mit dem ich vertraut sein würde.“ Das Buch scheint Osmans eigene Geschichte zu erzählen, aber auf eine fremde Art in einer fremden Welt, und er beschließt in diese Welt hineinzutreten. Das Buch findet er in einer Kiste eines Antiquariats, und niemand sonst kennt dieses Buch und kann ihm sagen wo es herkommt. Über den Inhalt des Buches im Buch, das ebenfalls Das neue Leben heißt, erfährt der Leser nichts, es werden nur die Wahrnehmnungen der Akteure beschrieben. Auch der Autor Pamuk ist begeistert von der Idee des Buches an sich, erhofft sich von ihm eine abenteuerliche und befreiende Wirkung, ist stets auf der Suche nach deren aufklärerischem Leuchten.</p>
<p style="text-align: justify;">Am stärksten setzte die Suche nach dem geheimen Buch natürlich bei Bolano selbst ein. Nach seinem Tod ist die Welt besessen von seinem Überbuch 2666 und ist gierig nach den letzten Bits und Worten auf seinen hinterlassenen Festplatten. Jedes Dokument wird durchforstet und – durchaus umstrittenerweise – veröffentlicht; siehe die Diskussion um die Veröffentlichung von Das Dritte Reich. Interessanterweise hat Bolano diese Schatzsuche nach hinterlassenen Texten schon in Die Naziliteratur in Amerika vorhergesehen: Dort beschreibt Bolano, wie nach Zach Sodensterns Tod dessen Computer auf Hinweise zur Interpretation seines Werks durchstöbert wird&#8230;</p>
<p style="text-align: justify;">Ein weiteres Motiv in 2666 ist der geheime Schriftsteller. Genauso wie für uns Wilde Leser der Inhalt, die Aussagen und der Sinn Archimboldis Bücher nicht zu fassen sind, so ist für die vier Kritiker der Schriftsteller Archimboldi selbst unfassbar. Sie jagen einem Phantom hinterher. Archimboldi wird zwar im Laufe der Zeit einer größeren Öffentlichkeit zu einem Begriff, tritt jedoch nie in Erscheinung (auch wenn Der Teil von Archimboldi auf ein späteres Treffen hindeutet). Auch der Erzähler von 2666 ist derart begeistert von Archimboldi, dass er Punkt und Komma vergisst sobald erstmals von dem sagenhaften Schriftsteller die Rede ist.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Motiv des geheimen Schriftstellers ist für mich sinnbildlich für einen Pionier der Postmoderne: Thomas Pynchon. Obwohl er bereits seit den frühen 60er Jahren erfolgreich als Autor tätig ist und weit über die USA hinaus bekannt ist, hat er es seither geschafft, vollständig anonym zu bleiben. Um seine Person und seinen Aufenthaltsort ranken sich Legenden, es ist lediglich ein einziges Foto von ihm aus seiner Zeit bei der Navy bekannt (wenn es tatsächlich Pynchon abbildet). Für mich ist die Anleihe des geheimen Schriftstellers durch Bolano zu offensichtlich, außerdem wurde sie hier bei den Wilden Lesern noch nicht schriftlich festgehalten. Auch der Autor von Das neue Leben, dem Buch im Buch, bleibt ein Mysterium.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich bin gespannt auf eure Meinungen zum geheimen Buch und zum geheimen Schrifsteller und hoffe, dass wir Buch und Person uns erleuchten werden!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Teil der Kritiker (- S. 140 HC / 150 TB)</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Oct 2011 08:56:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1. Kritiker]]></category>
		<category><![CDATA[2666]]></category>
		<category><![CDATA[Leserunden]]></category>

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		<description><![CDATA[Und es geht weiter, die Kritiker gehen auf Reisen und die Verbindungen werden komplizierter!  Die nächsten ca. 70 Seiten stehen auf dem Programm! ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1597" title="zwe666" src="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg" alt="" width="590" height="280" /></a></p>
<p>Und es geht weiter, die Kritiker gehen auf Reisen und die Verbindungen werden komplizierter!</p>
<p>Nutzt die Kommentar-Funktion zu diesem Beitrag! Längere Beiträge, die einen eigenen Aufmacher verdienen, schickt Ihr bitte weiterhin an redaktion@wilde-leser.de!</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Der Teil der Kritiker (- S. 72 HC / 75 TB)</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 07:13:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1. Kritiker]]></category>
		<category><![CDATA[2666]]></category>
		<category><![CDATA[Leserunden]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute geht es los! In dieser Woche (26.9. - 2.10.) schauen wir uns noch einmal die ersten ca. 70 Seiten von 2666 an. Wir greifen nicht vor!  Zum Einstieg empfehle ich den neuen Bolañisten, die das Buch zum ersten Mal lesen noch die <a href="http://www.wilde-leser.de/?p=441">Beträge zum Titel 2666 </a>und <a href="http://www.wilde-leser.de/?p=462">zum Baudelaire-Motto...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1597" title="zwe666" src="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg" alt="" width="590" height="280" /></a></p>
<p>Heute geht es los! In dieser Woche (26.9. &#8211; 2.10.) schauen wir uns noch einmal die ersten ca. 70 Seiten von 2666 an. Wir greifen nicht vor!  Zum Einstieg empfehle ich den neuen Bolañisten, die das Buch zum ersten Mal lesen noch die <a href="http://www.wilde-leser.de/?p=441">Beträge zum Titel 2666 </a>und <a href="http://www.wilde-leser.de/?p=462">zum Baudelaire-Motto, das dem Roman vorausgeht</a>.</p>
<p>In dieser Woche diskutieren wir also die ersten Seiten des Romans. Für die alten Bolañisten liegt dabei natürlich die Frage auf der Hand, wie sich die eigene Wahrnehmung des Romans vielleicht schon verändert hat in den letzten Jahren. Deckt sich der erneute Leseeindruck mit der Erinnerung an die erste Lektüre? Wie ist es, den alt bekannten Figuren wieder zu begegnen?</p>
<p>Interessant wäre von den neuen Bloggern zu hören, ob sich der erste Leseeindruck mit der eigenen Erwartung deckt. Ist es schwierig oder eher leicht in den Roman &#8220;reinzukommen&#8221;? Vielleicht gibt es auch schon erste intertextuelle Verbindungen, die Ihr aufgespürt habt, die den Bolañisten der ersten Stunde noch entgangen waren?</p>
<p>Nun aber viel Spaß, nutzt die Kommentar-Funktion zu diesem Beitrag! Längere Beiträge, die einen eigenen Aufmacher verdienen, schickt Ihr bitte an redaktion@wilde-leser.de!</p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>2666 Stunden durch die Nacht (2)</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 12:04:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Marvin Kleinemeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[2666]]></category>
		<category><![CDATA[Countdown]]></category>
		<category><![CDATA[Leserunden]]></category>

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		<description><![CDATA[Genau zwei Jahre ist es her, dass sich auf Wilde-Leser.de Fans der lateinamerikanischen Literatur und Ausdauerbibliphile zusammengeschlossen haben, um Roberto Bolaños 2666 gemeinsam in 2666 Stunden zu lesen und zu besprechen. Machen wir's noch einmal!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Genau zwei Jahre ist es her, dass sich auf Wilde-Leser.de (damals noch <a title="Die alte Seite" href="http://www.cloud-gate.de/poeta/" target="_blank">zwei666.de</a>) Fans der lateinamerikanischen Literatur und Ausdauerbibliophile zusammengeschlossen haben, um Roberto Bolaños <em>2666</em> gemeinsam in 2666 Stunden zu lesen und zu besprechen. Das Ganze unter Einbeziehung von Facebook, Twitter, Blogs und Webseiten, was die Aktion zu einer interaktiven Lesereise machte, aus der der enge Kreis der Bolañisten entstand, die noch heute auf Wilde-Leser.de jede Neuerscheinung besprechen. Denn seit der Veröffentlichung von <em>2666</em> gab es einen regelrechten Hype um Bolaño, der Hanser Verlag veröffentlichte Werk um Werk und im S. Fischer Verlag erscheint seit 2010 die Bolaño Werkausgabe im Taschenbuchformat.  <a href="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1597" title="zwe666" src="http://www.cloud-gate.de/wilde-leser/wp-content/uploads/2011/08/zwe666.jpg" alt="" width="590" height="280" /></a></p>
<p style="text-align: justify;">Im September erscheint nun auch <em>2666 </em>als Taschenbuch. Grund genug, uns noch einmal mit diesem Werk zu beschäftigen! Ab dem 21. September werden wir uns noch einmal auf die Reise begeben! <strong>2666 Stunden durch die Nacht</strong> wird es gehen, was ca. 70 Seiten pro Woche ergibt, also 10 pro Tag: machbar!</p>
<p style="text-align: justify;">Wir werden uns die alten Blogbeiträge von vor zwei Jahren noch einmal genauer anschauen, aber vor allem auch noch einmal mit neuem Blick auf 2666 schauen. Dieser neue Blick soll aber nicht nur von uns kommen, deshalb suchen wir für das Projekt <strong>noch 10 weitere Blogger, die Spaß daran haben, sich mit Bolaño und <em>2666</em> näher zu beschäftigen und darüber zu bloggen, zu twittern</strong> oder was auch immer euch in den Sinn kommt! Für die zehn Blogger stehen natürlich <strong>Freiexemplare des Buches</strong> zur Verfügung, die ersten vier, die sich melden, bekommen sogar noch die gebundene Sonderausgabe mit gelbem Schnitt, die es schon lange nicht mehr zu bestellen gibt! (Vielen Dank an Frauke Vollmer, die in den Archiven des Hanser Verlages noch vier dieser schönen Exemplare finden konnte). Die anderen sechs Blogger werden mit der schönen Taschenbuchausgabe aus dem Fischer Verlag belohnt.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Wer mitmachen kann:</strong> Jeder, der sich für Literatur und intensives Lesen begeistern kann. <em><strong>Wichtig:</strong></em> Jeder Blogger, der ein Freiexemplar erhält, muss bereit sein, zu jedem der fünf Teile des Romans mindestens einen Blogbeitrag zu veröffentlichen! (in der Vergangenheit haben sich einige einfach mit einem Freiexemplar aus dem Staub gemacht und nichts mehr von sich hören lassen, das darf nicht mehr passieren)</p>
<p style="text-align: justify;">Gerne verweisen wir auch auf andere Blogs, wenn die Blogger auch auf ihrem eigenen Medium berichten wollen. Was auch eine Chance darstellt, die Bekanntheit des eigenen Blogs zu erhöhen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wer Interesse hat, zu uns alt eingeschworenen &#8220;Bolañisten&#8221; zu stoßen, schickt bitte eine Email an redaktion@wilde-leser.de und fügt ein paar Informationen zur Person hinzu und eventuell Links zu eigenen Internetauftritten. Wer weitere Informationen zu uns und unserem Anliegen braucht, stöbert einfach auf Wilde-Leser.de durch eine der vielen Rubriken, oder schaut sich den <a href="http://www.wilde-leser.de/?p=376" target="_blank">Ankündigungstext des Ursprungsprojektes an</a>!</p>
<p style="text-align: justify;">Und nun lasse ich in bewährter Tradition noch einmal Bolaño persönlich Überzeugungsarbeit leisten:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">…und der klar und ohne Diskussion das kleinere dem größeren Werk vorzog. Er entschied sich für <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verwandlung" target="blank">Die Verwandlung</a></em> statt <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Process" target="blank">Der Prozess</a></em>, für <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bartleby_der_Schreiber" target="blank">Bartleby</a></em> statt <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Moby_Dick" target="blank">Moby Dick</a></em>, für <em><a href="http://www.abebooks.de/schlichtes-Herz-Erz%C3%A4hlung-Reclam-Heft-6590-Flaubert/941967996/bd">Ein schlichtes Herz</a></em> statt <em><a href="http://www.lyrikwelt.de/rezensionen/bouvard-r.htm">Bouvard et Pecuchet</a></em>, für <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/A_Christmas_Carol" target="blank">Eine Weihnachts-geschichte</a></em> statt <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Dickens#Eine_Geschichte_aus_zwei_St.C3.A4dten.2FA_Tale_of_Two_Cities" target="blank">Eine Geschichte aus zwei Städten</a></em> oder <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Pickwickier" target="blank">Pickwickier</a></em>.  Trauriges Paradox, dachte Amalfitano. Nicht einmal die belesenen  Apotheker wagen sich mehr an die großen, die unvollkommenen, die  überschäumenden Werke, die Schneisen ins Unbekannte schlagen. Sie geben  den perfekten Fingerübungen der großen Meister den Vorzug. Anders  gesagt: Sie wollen die großen Meister bei eleganten Fechtübungen  beobachten, aber nichts wissen von den wahren Kämpfen, in denen die  großen Meister gegen jenes Etwas kämpfen, das uns allen Angst einjagt,  jenes Etwas, das gefährlich die Hörner senkt, und es gibt Blutvergießen,  tödliche Wunden und Gestank.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Ich hoffe wir lesen uns, viele Grüße, euer <a href="http://rumdiarist.wordpress.com/werbloggt/">Marvin Kleinemeier</a>!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>FRAGEBOGEN (2)</title>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 09:14:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Landsberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[DNLIA]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Landsberger]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuelles; DNLIA; 2666]]></category>

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		<description><![CDATA[1.) Glauben Sie nicht auch, dass man Roberto Bolaños DNLIA („Die Naziliteratur in Amerika“) spätestens jetzt, nach den entsetzlichen Mordattentaten in Norwegen neu lesen müsste? 2.) Finden Sie es nicht beunruhigend, in welch unheimliche Nähe Fiktion und Realität hier geraten, wenn Sie sich die einzelnen Lebensläufe, die fiktiven und die realen, der Reihe nach abermals vergegenwärtigen? 3.) Auch wenn Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>1.) Glauben Sie nicht auch, dass man Roberto Bolaños DNLIA („Die Naziliteratur in Amerika“) spätestens jetzt, nach den entsetzlichen Mordattentaten in Norwegen neu lesen müsste?</strong><br />
2.) Finden Sie es nicht beunruhigend, in welch unheimliche Nähe Fiktion und Realität hier geraten, wenn Sie sich die einzelnen Lebensläufe, die fiktiven und die realen, der Reihe nach abermals vergegenwärtigen?<br />
3.) Auch wenn Sie sich vielleicht dazu gezwungen sehen mögen, sich einzugestehen, dass auch hier wieder die schreckliche Realität das in der Fiktion konsequent Ausgemalte bzw. angebahnt Ausgedachte weit überholt hat, finden Sie nicht, dass der Blick auf die ganze bei Roberto Bolaño ausgebreitete Gemengelage allgemein erkenntnisfördernd sein könnte? Insbesondere wenn Sie hierbei auf den beunruhigend schillernden Zusammenhang von Dichtung und Mord, von Künstlertum und Verbrechen achten? Und insbesondere auch auf die mitunter fast unmerklichen Übergänge von einem zum andern? (Vgl. auch die vielerlei Komponenten, wie man sie z. B. auf der Seite 60 ausgebreitet im Zusammenhang mit Ernesto Pérez Masón findet: Misogynie, klare Abneigung gegen Kommunisten, Homosexuelle, Juden und Schwarze + Zugehörigkeit zu einer Freimaurerloge + leicht entzifferbare Verschlüsselungen – unter anderem solche Stichworte mag man hier antreffen.)<br />
4.) Hatten nicht z. B. auch schon Dostojewskijs fiktiver Raskolnikow (durch seine für Zeitschriften verfasste Aufsätze) und der leider nur allzu reale Adolf Hitler durch sein Buch „Mein Kampf“, &#8211; jenem schrecklichen, meist ungelesenen späteren Hochzeitsgeschenk für im „Dritten Reich“ heiratswillige Paare &#8211; , ihre späteren skrupellosen Verbrechen im Voraus ideologisch zu legitimieren gesucht?<br />
5.) [Nebenbei: Sie werden bemerkt haben, dass auch in Dostojewskijs „Dämonen“ (=“Böse Geister“) agitatorisch von mehreren, nein, den vielen konspirativen und gewaltbereiten „Zellen“ gesprochen wird, die über ganz Russland verborgen verstreut seien, während in Wahrheit (zumindest romanintern) nur eine einzige vorhanden ist. (Das kann cum granu salis auch im aktuellen norwegischen Fall so sein, muss es aber nicht.)]<br />
6.) Unbedingt noch eins: Hat Sie vor einigen Tagen nicht allein schon der Titel der so unerhört umfangreichen propagandistischen Rechtfertigungsschrift des 32jährigen norwegischen Ideologen und Massenmörders bestürzt aufhorchen lassen, weil Ihnen bei „2083“ sofort auch Bolaños „2666“ eingefallen ist und Sie vielleicht auch bemerkt haben, dass von 2083 zur Gesamtsumme 2666 nur noch 583 fehlen?<br />
(Welch merkwürdiger Gleichklang der derart betonten 83!)</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>ANMERKUNGEN UND BEOBACHTUNGEN (I)</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 16:17:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Landsberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[DNLIA]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Landsberger]]></category>
		<category><![CDATA[Indigenismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mestizismus]]></category>
		<category><![CDATA[Reolismus; Ernest Sábato]]></category>

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		<description><![CDATA[Stichwort „Mestizismus“ Wären Indigenismus, Mestizismus und drittens der so unsolide (eher einverständnismäßig polemisch) klingende Begriff „Nazi-Literatur“, sähe man sie in einem Spektrum zusammen, dennoch differenzierende und erkenntnisentbindende Gesichtspunkte für den Versuch einer Einteilung der gesamten Lateinamerikanischen Literatur? In seinem schon 40 Jahre altem Gesprächsbuch mit lateinamerikanischen Schriftstellern von Rang, „Dialog mit Lateinamerika / Panorama einer Literatur der Zukunft“ (Tübingen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Stichwort „Mestizismus“</strong></p>
<p>Wären Indigenismus, Mestizismus und drittens der so unsolide (eher einverständnismäßig polemisch) klingende Begriff „Nazi-Literatur“, sähe man sie in einem Spektrum zusammen, dennoch differenzierende und erkenntnisentbindende Gesichtspunkte für den Versuch einer Einteilung der gesamten Lateinamerikanischen Literatur?</p>
<p>In seinem schon 40 Jahre altem Gesprächsbuch mit lateinamerikanischen Schriftstellern von Rang, „Dialog mit Lateinamerika / Panorama einer Literatur der Zukunft“ (Tübingen und Basel 1970), schwört Günter W. Lorenz, der Befrager, sehr viele Schriftsteller&#8230; durchaus nicht erfolglos darauf ein, dass die große Zukunft der lateinamerikanischen Literatur in ihrem Mestizismus zu finden sei. Vielfalt und Mischungs- , auch Formmischungsbejahung stehen hier entschieden gegen jegliche Form von propagierter abstrakter Reinheit im Sinne einer Anderes, tendenziell jegliches Andere, ausschließenden Mono“kultur“.</p>
<p>In RBs „DNLIA“ korrespondieren über 150 Seiten hinweg zwei Textstellen, in denen ausdrücklich von gemeinhin als real bekannten Schriftsteller&#8230;n Lateinamerikas die Rede ist, die an beiden Stellen aus der abstrakt einseitigen Perspektive fiktiver „Naziliteraten“ heraus entschiedene Ablehnung erfahren. Im ersten Fall wird die fast identische Liste der aus „Nazi“perspektive abgelehnten Autor&#8230;en dem Argentinier Juan Mendiluce Thompson (1920 – 1991) zugeschrieben (vgl. S. 23), im zweiten Fall dem offenbar ursprünglich italienischstämmigen Argentinier Argentino Schiaffino alias „Der Fettsack“ (1956 – 2015) (vgl. S.175). Im Zusammenhang mit einem „ausufernde(m) Poem“ Argentino Schiaffinos („Die Einsamkeit“) ist u. a. von den darin registrierten „katastrophalen Auswirkungen des Mestizentums“ (S.175) die Rede, ein möglicher „Feind“ damit also ins Visier genommen.</p>
<p>Die schließliche, alles verlagernde Wendung Schiaffinos von Argentinien weg in die USA wäre sicher einer weiteren Beachtung wert. Hier mögen uns nur die genannten realen Schriftsteller&#8230; und das sich mit ihnen möglicherweise abzeichnende Feindbild interessieren. In beiden (Gegen-)Listen befinden sich in nur einmal veränderter Reihenfolge Cortázar, Borges, Adolfo Bioy-Casares und Manuel Mújica Lainez, in der ersten steht Ernesto Sábato am Schluss (S.23), in der zweiten, durchaus etwas schillernd, Roberto Arlt (S.175).<br />
Ernesto Sábato werde – so heißt es auf S. 23 &#8211; von Juan Mendiluce Thompson „als Hohepriester der Gewalt und der hemmungslosen Aggression“ „beschimpft“. &#8211; Da ich mich im letzten Jahr gerade mit Ernesto Sábato etwas ausgiebiger befasst habe, weiß ich, dass dieser vor kurzem hochbetagt gestorbene, auch weltliterarisch hochbedeutsame Autor mit Sicherheit nicht unter die bei RB als „Naziliteratur“ apostrophierte Literatur gerechnet werden kann und darf, dass er aber dennoch in seinem großen Roman „Über Helden und Gräber“ mit seinem „Bericht über die Blinden“ sehr hellsichtig und sehr beeindruckend eine Perspektive eingenommen hat, die offenkundig macht, wie Wahn und Ratio zusammengehen können: „Ist es auch Wahnsinn, hat es doch Methode“ bestätigt sich hier in neuem Gewand.<br />
These: In diesem Roman findet sich einseitig perspektivisch, wiewohl in hervorragender Gestaltung „Naziliteratur“ als beunruhigendes Einsprengsel, vor allem im besagten „Bericht über die Blinden“, der schon deswegen nicht isoliert gelesen werden sollte. Auf die kritische Einbettung kommt es nämlich an.</p>
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		<title>GEFÄHRLICHES SCHILLERN</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jul 2011 20:23:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Landsberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[DNLIA]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Landsberger]]></category>

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		<description><![CDATA[

Dass man in einem Buch, das den Begriff „Nazi“ bzw. „Naziliteratur“ gezielt schon im Titel trägt, besonders auf jenes zweigliedrige Buchkapitel zu achten hat, das ausdrücklich von Deutschen bzw.  Deutschstämmigen handelt, ist ziemlich naheliegend und – wie mir scheint - unverzichtbar, zumal dann, wenn einem ins Bewusstsein kommt und danach im Bewusstsein bleibt, dass der Nationalsozialismus, mag er mitunter auch noch so sehr und nicht unpauschal als bloße Sonderform unter die Gesamtrubrik Faschismus verrechnet worden sein, in seiner besonderen Ausprägung unleugbar aus deutschsprachigen Gebieten stammt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>GEFÄHRLICHES SCHILLERN <em>von Günter Landsberger</em><br />
</strong></p>
<p>Zu: DNLIA, S.91 – S.101 (= <em>ZWEI DEUTSCHE AM ENDE DER WELT</em>)</p>
<p>Dass man in einem Buch, das den Begriff „Nazi“ bzw. „Naziliteratur“ gezielt schon im Titel trägt, besonders auf jenes zweigliedrige Buchkapitel zu achten hat, das ausdrücklich von Deutschen bzw.  Deutschstämmigen handelt, ist ziemlich naheliegend und – wie mir scheint &#8211; unverzichtbar, zumal dann, wenn einem ins Bewusstsein kommt und danach im Bewusstsein bleibt, dass der Nationalsozialismus, mag er mitunter auch noch so sehr und nicht unpauschal als bloße Sonderform unter die Gesamtrubrik Faschismus verrechnet worden sein, in seiner besonderen Ausprägung unleugbar aus deutschsprachigen Gebieten stammt.</p>
<p>Schon der TITEL des Großkapitels, „Zwei Deutsche am Ende der Welt“,  schillert ein wenig von seiner Bedeutung her. Ist die Wendung „am Ende  der Welt“ nur geographisch oder geographisch-politisch oder vornehmlich geschichtlich-apokalyptisch zu verstehen? Die beiden Deutschstämmigen, die nacheinander im Einzelporträt vorgestellt werden, sind beides Nachkriegskinder: Franz Zwickau ist 1946 in Caracas (Venezuela) geboren und Willy Schürholz 1956 in der „Colonia Renacer“ in Chile. Beide leben unterschiedlich lange: Franz Zwickau verunglückt 1971 mit seinem Motorrad („stürzte“ „in einen ABGRUND“, S.95), während Willy Schürholz erst sehr viel später, im Jahr 2029 nämlich, in Kampala, Uganda, stirbt und so in der uns vorgelegten Fiktion nicht nur das Erscheinungsdatum des RB-Buches „DNLIA“ überlebt, sondern auch unser Heute, in dem wir das Buch RBs lesen und es uns fortlaufend bewusst machen, um ein Beträchtliches noch überleben wird.</p>
<p>Bei dem ersten der beiden Deutschen, Franz Zwickau, heißt es noch etwas zweideutig, dass er ein „Sohn deutscher Auswanderer“ (S.93) sei. Da kann man sich durchaus noch fragen, ob er denn nun der relativ späte Sohn von in Deutschland zur Zeit des Nazi-Regimes Verfolgten oder aber von gegen Kriegsende aus Deutschland geflüchteten Altnazis ist. Beide Gruppen haben ja bekanntlich nicht nur in Argentinien, sondern in Lateinamerika überhaupt, eine Zuflucht gesucht und oft auch gefunden. Die Konnotationen des gesamten Textes daraufhin zu lesen, ist durchweg interessant, auch wenn sie mehr oder minder eindeutig zunehmend in die nazistische Richtung verweisen. Dennoch verzichtet auch dieser Text nie vollends auf ein ambivalentes Schillern: Gleich am Ende des ersten Abschnittes wird dem jungen Franz Zwickau, jenem „jungen, hochgewachsenem Blondschopf (!, GFL) mit athletischem Körper“ (!) der „Blick eines Träumers oder (!) Mörders, möglicherweise beides zugleich“ zugeschrieben. Und später mit Bezug auf das lange Titelgedicht seines zweiten Lyrikbandes von 1967, „Der Sohn der Kriegsverbrecher“ wird unter anderem  durchaus wieder schillernd darauf hingewiesen, dass er darin u. a. „Goethe UND (!) Jünger“ „zitiert“ (S.94). War Ernst Jünger denn ein Nazi-Autor bzw. ein Nazi-Autor im Sinne von DNLIA?</p>
<p>Der anschließende, den fiktiven Willy Schürholz porträtierende Text verzichtet sehr bald auf ein Schillern in der Herkunftsfrage, wiewohl auch er  scheinbar naheliegende, jedoch oberflächlichere Verstehensmöglichkeiten immerhin erwähnt. Am Schluss heißt es jedenfalls dezidiert: „ihre Ankunft in Chile fiel zusammen mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.“ (S. 96) Und Willy Schürholz wurde erst 1956 geboren; er wuchs auf in der deutschen Parallelwelt der „Colonia Renacer“. Renacer? Wiedergeburt wovon? Jedenfalls, die hier im Text auch in charakteristischen Einzelheiten geschilderte „Colonia Renacer“ trägt durchaus die Züge der berüchtigten, nicht nur in Chile einschlägig bekannten deutschen „Colonia Dignidad“. Der Bezug zur chilenischen Realität von ehedem und heute und morgen tritt einem ganz in den Sinn, wenn man z. B. vor etwa zwei Wochen die Seite Drei der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juni 2011 gelesen hat: „Deutsche Hölle / Die berüchtigte „Colonia Dignidad“ des früheren Alt-Nazis Paul Schäfer in Chile lebt, jetzt auch für Öko-Urlauber – als „Villa Baviera“. / Der flotte Image-Relaunch passt zum zynischen Umgang der Politik mit den Opfern: Dies ist die Geschichte von Ingrid und Franz.“</p>
<p>Schillernder als seine Abkunftszuordnung sind indessen die interpretierenden Reaktionen auf  Willy Schürholzens Texte: da gibt es jeweils recht entgegengesetzte Deutungen (vgl. S.98f.). Ein einziges Zitat mag hier stellvertretend für vielerlei Zwiespältiges stehen: „Seine Freunde, avantgardistische Poeten und in der Regel Gegner des Militärregimes, taufen ihn zärtlich den „Logbuchschreiber“, bis ihnen auffällt, daß Schürholz ihren eigenen Überzeugungen diametral entgegengesetzten Ideen huldigt. Bis zu dieser Entdeckung vergeht allerdings viel Zeit. Schürholz ist alles andere als  eine geschwätzige Person.“  Gefeierter Avantgardismus und fragwürdige politische Einstellung  schließen einander offenbar nicht aus. -</p>
<p>Es wäre durchaus lohnend, jeden der beiden Texte dieses Kapitels sehr sorgfältig und akribisch durchzugehen und auf den Verweisungszusammenhang zum Gesamttext der DNLIA zu achten. Dies mögen andere, vielleicht Jüngere tun. (Man könnte mich auch befragen, mir ist da schon noch so einiges zusätzlich aufgefallen.)</p>
<p>Immerhin, auf eine Parallelerscheinung in einem verwandten Zusammenhang möchte ich zum Schluss auf alle Fälle hinweisen: In der Erzählung „Ein berühmter Schriftsteller“ berichtet Stephan Hermlin von einer den Ich-Erzähler überraschenden Begegnung mit Louis-Ferdinand Céline 1939 in einem Café in Frankreich. Die verbreitet starke Wirkung von Célines Roman „Reise ans Ende der Nacht“ auch auf politisch ganz anders Gesinnte und Ausgerichtete wird jedenfalls  nicht verschwiegen, faktische Missverständnisse und falsche Einvernahmen werden nicht ausgespart. (Vgl. Stephan Hermlin: Erzählende Prosa, Berlin und Weimar 1990, S.487ff.) Hermlins Text endet eindringlich mit folgenden Sätzen:</p>
<blockquote><p>„Es gibt eine Ästhetik, für welche die Apologie des Mordes unverdächtiger ist als seine Verdammung. Sie fragt nicht nach einer Analyse der Infamie, sondern nach der Infamie selbst. Mit ihr verbünden sich unerfüllte und uneingestandene Lüste nach Vermischung mit dem, wovor man gestern noch zurückgebebt war. Wenn es finster wird auf Erden, erwachen die Vampire und beginnen zu wandeln.“ (S.489f.)</p></blockquote>
<p>Und vorher (auf Seite 487) hieß es:</p>
<blockquote><p>„das Buch fesselte mich, es hatte etwas Ungeheuerliches. Das höllische Licht einer Verzweiflung brach aus ihm hervor, die wir entsetzt und ungläubig wahrnahmen. Dieses finstere Strahlen war die Sonne unserer Zukunft.“ (&#8230;) „Der Autor, von dem ich nichts wußte, wurde als radikaler Pazifist und exaltierter Kritiker bürgerlicher Zustände gesehen. In der vom Sieg der Volksfront hervorgerufenen euphorischen Atmosphäre rechnete man Céline ohne lange Umstände zur Linken. Er wurde in mehrere Sprachen, auch ins Russische, übersetzt, er war in die Sowjetunion eingeladen worden, von dort aber war er bald zurückgekehrt, es hatte, so hörte man, Konflikte gegeben.“</p></blockquote>
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		<title>Literatur und die Poetik des Erinnerns</title>
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		<pubDate>Tue, 24 May 2011 17:01:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benjamin Loy</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Loy]]></category>
		<category><![CDATA[DNLIA]]></category>

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		<description><![CDATA[...so muss, wer über Die Naziliteratur in Amerika schreibt, den Blick nicht nur auf dieses Werk selbst, sondern eben auch auf die Bücher des Chilenen richten, die diesem innerhalb des literarischen Kosmos Bolaños am nächsten sind.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">In einem Interview mit einer chilenischen Zeitung gab Roberto Bolaño einmal zu Protokoll:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">„Ich bin glücklicherweise dazu verdammt, nur wenige, aber dafür treue Leser zu haben. Es handelt sich dabei um Leser mit Interesse, an meinem metaliterarischen Spiel und dem Spiel meines ganzen Werks überhaupt teilzunehmen, denn wenn jemand eines meiner Bücher liest, ist das nicht schlecht, aber um es zu verstehen, muss man sie alle lesen, denn alle beziehen sich auf alle.“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Nehmen wir Bolaño beim Wort, so muss, wer über <em>Die Naziliteratur in Amerika</em> schreibt, den Blick nicht nur auf dieses Werk selbst, sondern eben auch auf die Bücher des Chilenen richten, die diesem innerhalb des literarischen Kosmos Bolaños am nächsten sind. In Hinblick auf <em>DNLIA</em> sind das zum einen <em>Stern in der Ferne</em>, über das Bolaño sagte, es sei „der superschnelle und tödliche siamesische Zwilling“ von <em>DNLIA</em>,  zum anderen das hier auch schon besprochene <em>Chilenisches Nachtstück</em>. Neben der Verbindung über einzelne Figuren, die in den drei Werken in unterschiedlicher Gewichtung auftauchen und worüber noch zu sprechen sein wird, ist es vor allem ein Thema, das diese Trilogie im Speziellen verbindet, auch wenn es durchaus als eine der großen Werkkonstanten Bolaños überhaupt zu sehen ist: die Erinnerung bzw. der Zusammenhang, der zwischen literarischen Poetiken und Ästhetiken im weiteren Sinne und der Erinnerung existiert und der nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine fundamental ethische Bedeutung besitzt.</p>
<p style="text-align: justify;">Will man die Bedeutung des Themas der Erinnerung bzw. des Vergessens, welches in diesem Zusammenhang immer mitgedacht werden muss, bei Bolaño ermessen, ist es eine Notwendigkeit, sich besonders im Hinblick auf unsere Trilogie, die weniger als z.B. <em>Die wilden Detektive</em> oder <em>2666</em> die Schauplätze Mexiko oder Europa, sondern dezidiert Chile fokussiert, über die nationalen erinnerungspolitischen Kontroversen hinsichtlich der Pinochet-Diktatur im Klaren zu sein. War beispielsweise das Ende der Militärdiktatur in Argentinien mit dem Desaster des Falklandkrieges, einer wirtschaftlichen Krise des Landes und der Deskreditierung des Regimes verbunden, worauf auch eine (wenngleich in ihrem Umfang je nach politischer Wetterlage schwankende) juristische wie gesellschaftliche Aufarbeitung dieser Zeit erfolgte (und noch immer erfolgt), verhielten sich die Dinge im Falle Chiles im Gegensatz dazu völlig anders: Der Übergang des Landes zur Demokratie war nicht durch einen Bruch mit der Pinochet-Diktatur, sondern vielmehr durch eine Beständigkeit in vielfachem Sinne gekennzeichnet. Neben der (verfassungs-)rechtlichen und wirtschaftspolitischen Kontinuität, die dafür sorgte, dass sowohl das neoliberale Wirtschafts- und Gesellschaftssystem mit seinen während der Diktatur geschaffenen Strukturen als auch Pinochet selbst als Senator auf Lebenszeit und Oberbefehlshaber der Streitkräfte unangetastet blieben, hatte diese Art der Rückkehr zur (formalen) Demokratie spezifische Auswirkungen auf die Form, in der das Thema der Erinnerung an die Vergangenheit auf politischer, gesellschaftlicher und kultureller Ebene behandelt wurde. Ohne hier den Verlauf dieser Geschichtspolitik und der mit ihr verbundenen Kontroversen detailliert darstellen zu wollen, lässt sich festhalten, dass trotz verschiedener Versuche und Akte der Diktaturaufarbeitung auf politischer Ebene das Thema schnell dem Zwang zu einem vergangenheitspolitischen „Konsens“ wich, der, wie der chilenische Soziologe Tomás Moulian schreibt, „einen Willen zur Amnesie“ implizierte und das Thema der Erinnerung zu einem „Nicht-Thema“ werden lassen sollte oder wie es der chilenische Dramatiker Antonio de la Parra formuliert:</p>
<blockquote><p>„Die Erinnerung ist eine Art Laster, dessen man sich schnell entledigen muss.“</p></blockquote>
<p style="text-align: justify;">Diese Form eines politisch verordneten Vergessens fand ihren Niederschlag zunächst auch auf der kulturellen und insbesondere der literarischen Ebene in Gestalt einer Literatur zu Beginn der 90er Jahre, die, wenn auch sicher nicht in Gänze, sich generell nicht einer kritischen Betrachtung der Vergangenheit oder ihrer Behandlung im postdiktatorialen Chile verpflichtet sah, sondern vielmehr im Zuge der neu einsetzenden Publikationswelle junger chilenischer Autoren eine konsumentengerechte Linie fuhr, in der eine postmodern inszenierte Hinwendung zur Subjektivität und Themen wie Einsamkeit und Desillusionierung erfolgte, wie man sie exemplarisch vielleicht in Alberto Fuguets Kultroman dieser Zeit, <em>Mala onda</em>, beobachten kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Dies alles ist, in Kurzform, der historische und kulturelle Hintergrund, vor dem man insbesondere unsere hier genannten Trilogie lesen muss. Dies und die Tatsache, dass Bolaño in eigentlich all seinen Romanen diese Hintergründe mit dem Thema der Literatur verknüpft, denn, so Bolaño selbst: „Wenn ich Metzger wäre, würde ich über Metzger schreiben und wenn ich ein professioneller Magier wäre, dann würde ich über die Welt der Magier schreiben, die manchmal voll des Grolls ist. Ich bin oder, um genauer zu sein, war Dichter, was das Gleiche ist wie nichts zu sein. Und so schreibe ich über das, was ich am besten kenne. Auch was mich am meisten enttäuscht hat. Und was ich am meisten bewundere.“ Erinnerung und Vergessen hier, die Literatur und die Dichter dort – das sind die beiden Pole, die Bolaño mit Blick auf Chile in <em>DNLIA</em>, <em>Stern in der Ferne</em> und <em>Chilenisches Nachtstück </em>zusammenführt und zu denen hier einige Überlegungen angestellt werden sollen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Ramírez Hoffmann alias Carlos Wieder – Avantgarde und Tod der Erinnerung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn hier von <em>DNLIA</em> die Rede ist, dann im Zusammenhang dieses Beitrags vor allem bzw. ausschließlich mit Blick auf das Schlusskapitel um Ramírez Hoffmann, den Verruchten, der in <em>Stern in der Ferne</em>, der <em>reescritura</em> dieses Kapitels, <em>wieder</em> unter dem Namen Carlos Wieder (und vielen weiteren) auftaucht. Was Ramírez Hoffmann und Wieder dabei neben ihrer Mehrfacherscheinung, von der im Bezug auf Bolaños Poetik noch zu sprechen sein wird, eint, ist insbesondere ihr literarisches Programm, die von ihnen vertretene Ästhetik und die Haltung nicht nur zur Politik, sondern vor allem zur Literatur insgesamt, die bei genauerer Betrachtung wichtige Schlüsse für das Verhältnis von Literatur, Erinnerung und Ethik erlaubt.</p>
<p style="text-align: justify;">Ramírez Hoffmann lässt sich in seiner literarischen Ästhetik zweifellos als eine Art verspäteter chilenischer Erbe der künstlerischen Avantgardebewegungen der Jahrhundertwende verorten, was insbesondere durch die zahlreichen Bezüge im Text zum italienischen Futurismus deutlich wird. Der Fliegerkult, die Verherrlichung von Krieg, Gewalt und Tod, das Symbol des Sterns, der elitäre Charakter und die Betonung des absolut Neuen und gleichzeitig des Ephemeren der Kunst in Form von happeningartigen Aktionen – all das sind Elemente, über die Bolaño die Verbindung zwischen Ramírez Hoffmann bzw. Carlos Wieder in <em>DNLIA </em>und <em>Stern in der Ferne</em> mit seinen historischen Vorgängern etabliert. Neben der Nähe des Futurismus zum Faschismus, die Bolaño in seiner chilenischen Variante wieder aufgreift, verweisen diese Verbindungen jedoch auch insbesondere auf die Haltung dieser Art von Avantgardebewegungen zur Literatur und zum Thema der Erinnerung, wie sie exemplarisch vielleicht in Marinettis futuristischem Manifest zum Ausdruck kommen: „Wir wollen die Museen, die Bibliotheken und die Akademien jeder Art zerstören […], wir wollen dieses Land von dem Krebsgeschwür der Professoren, Archäologen, Fremdenführer und Antiquare befreien.“ Was für Marinetti einen Kerngedanken seiner Poetik darstellte, war nichts anderes als der Wunsch nach einer radikalen Eliminierung der kulturellen (und politischen) Vergangenheit. Und eben dieser Aspekt wird von Bolaño in der Konzeption seiner Figur Ramírez Hoffmann im Chile des Jahres 1973 und seiner Fliegerpoesie und seiner Fotoausstellung mit ermordeten Frauen (und Dichterinnen!) aufgegriffen und aktualisiert, wobei Bolaños Protagonist dabei nicht im Gegensatz zu den vielen anderen Vertretern in <em>DNLIA</em> (und des italienischen Futurismus)<em> </em>als Salonfaschist, sondern als radikalstmöglicher Vertreter dieser Ästhetik dargestellt wird, der den futuristischen Vernichtungsdiskurs nicht nur predigt, sondern in die Tat umsetzt, ja eine Verschmelzung von Kunst und Leben realisiert. Auf was Bolaño hier abzielt ist die kritische Darstellung einer Literatur, die in ihrem Gestus der radikalen Innovation und der Propagierung der gewalttätigen Vernichtung aller Tradition immer nur einen Schritt weit von ganz ähnlich argumentierenden politischen Diskursen entfernt ist, wie sie insbesondere im Zuge der Machtübernahme der Militärs 1973 in Chile zu beobachten waren, bei der es gleichfalls um die „Ausrottung subversiver Elemente“ in Gestalt von Politikern, Künstlern und Bürgern allgemein ging, die als Sympathisanten der Allende-Regierung galten. Gleichzeitig aber wird hier im Sinne einer Reflexion von Erinnerung und Vergessen auch auf eine Ästhetik verwiesen, der es um ein bewusstes „Vergessen-Machen“ ihrer künstlerischen Vorgänger geht. Dass diese Unfähigkeit bzw. die bewusste Leugnung von Erinnerung eine fundamental ethische Konsequenz hat, schrieb bereits Hannah Arendt in ihren Überlegungen „Über das Böse“, wo es heißt: „Die größten Übeltäter sind jene, die sich nicht erinnern, weil sie auf das Getane niemals Gedanken verschwendet haben, und ohne Erinnerung kann nichts sie zurückhalten. Das Denken an vergangene Angelegenheiten bedeutet für menschliche Wesen, sich in die Dimension der Tiefe zu begeben, Wurzeln zu schlagen und so sich selbst zu stabilisieren, so daß man nicht beim allem Möglichen – dem Zeitgeist, der Geschichte oder einfach der Versuchung – hinweggeschwemmt wird.“ Dabei ist festzuhalten, dass Bolaño diesen Zusammenhang zwischen einer literarischen Haltung und deren ethischen Implikationen ausdrücklich nicht nur auf „faschistische“ bzw. „rechte“ Literatur anwendet, denn, so Bolaño selbst: „In <em>Die Naziliteratur in Amerika</em> greife ich die Welt der Ultrarechten auf, aber oftmals rede ich in Wirklichkeit von der Linken. Ich nehme das am einfachsten zu karikaturisierende Bild, um von etwas Anderem zu reden. Wenn ich von den Nazischriftstellern Amerikas spreche, dann spreche ich in Wahrheit von der manchmal heroischen, aber viel häufiger versauten Welt der Literatur im Allgemeinen.“ Inwiefern sich dabei auch die Literatur schuldig machen kann, die im Gegensatz zu dem Dichter-Mörder Ramírez Hoffmann augenscheinlich harmlos daher kommt, illustriert Robert Bolaño denn auch im dritten und letzten Werk dieser „Chile-Trilogie“ anhand der Figur von Sebastián Urrutia Lacroix in <em>Nocturno de Chile</em>.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sebastián Urrutia Lacroix alias Ibacache – Ästhetizismus und der Elfenbeinturm der Kunst </strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Was Bolaño in <em>Chilenisches Nachtstück</em> nach eigener Aussage am meisten interessierte, war „das fehlende Schuldgefühl eines katholischen Priesters. Die bewundernswerte Frechheit einer Person, die aufgrund ihrer intellektuellen Bildung das Gewicht der Schuld hätte spüren müssen.“ Auch bei der Figur Sebastián Urrutia Lacroix‘ geht es wieder um den Zusammenhang zwischen Literatur und Politik bzw. im engeren Sinne um die Frage, inwiefern ästhetische Haltungen mit ethischen korrespondieren. Urrutia ist nicht nur Priester, sondern zugleich unter seinem Pseudonym „Ibacache“ einer der profiliertesten Literaturkritiker Chiles während und nach der Pinochet-Diktatur, der in Bolaños Roman in einem 150 Seiten umfassenden Monolog im Angesicht des Todes sein Leben Revue passieren lässt. Dass diese „Reflexion“ mitnichten freiwillig erfolgt, sondern vielmehr im Sinne einer lange verdrängten Erinnerung ins Bewusstsein des alten Mannes dringt, lässt sich wiederum als Verweis auf die chilenische Geschichtspolitik der Zeit lesen: Hatte man es in den ersten Jahren nach der Rückkehr zur Demokratie durchaus geschafft, die Erinnerungsdebatte unter dem Mantel eines politisch erwünschten Schweigens zu verbergen und einen brüchigen Frieden mit der Vergangenheit zu machen, so wurde die Fragilität dieser Politik spätestens 1998 offenbar, als Pinochet in London festgenommen und unter Hausarrest gestellt, was in Chile genau zu jenem „Erinnerungseinbruch“ in ein nur scheinbar solides Geschichtsbild führte, mit dem sich auch Urrutia Lacroix konfrontiert sieht.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Rückschau auf sein Leben erscheint Urrutia, der selbst wiederum schon in dem fünf Jahre zuvor erschienen <em>Stern in der Ferne</em> am Rande auftaucht, in seiner ästhetischen Konzeption genau wie Ramírez Hoffmann als ein verspäteter Vertreter einer anderen um die Jahrhundertwende (und schon davor) virulenten künstlerischen Strömung, nämlich des Ästhetizismus. Auch in <em>Chilenisches Nachtstück</em> gelingt es Roberto Bolaño, in wenigen Bildern und intertextuellen Verweisen eine ganze literarische Epoche aufzurufen und in Verknüpfung mit seinem Protagonisten zu aktualisieren. Neben den wiederholten Verweisen auf Huysmans prototypische ästhetizistische Romane ist es vor allem Urrutias Verhalten, welches ihn als einen Literaten darstellt, dessen künstlerische Auffassung nicht mit der kruden Realität seiner Umgebung kompatibel zu sein scheint. Als Beispiel hierfür sei einerseits sein Besuch bei dem großen Literaturkritiker Farewell mit Pablo Neruda als Gast genannt, wo die <em>huis-clos</em> Atmosphäre des Künstlertreffens auf dem Landgut Farewells mit der als ekelerregend empfundenen Begegnung Urrutias mit den dortigen Landarbeitern kontrastiert. Noch deutlicher wird diese Abwendung von der chilenischen Realität in der Tatsache, dass Urrutia auf dem Höhepunkt der innergesellschaftlichen Polarisierung zwischen Links und Rechts während der Präsidentschaft Allendes, die er kaum in zwei Sätzen kommentiert, das Land verlässt, um sich in Europa mit den Möglichkeiten der Konservierung von Kirchenarchitektur zu beschäftigen. Im Chile nach dem Putsch schließlich erteilt er Pinochet und anderen Mitgliedern der Junta Unterricht in marxistischer Theorie, die der General gefordert hat, „um die Feinde Chiles zu verstehen, zu wissen, wie sie denken, eine Vorstellung davon zu haben, bis zu welchem Punkt sie zu gehen bereit sind.“ Urrutia ist kein Mörder wie Ramírez Hoffmann, der schließlich außer Landes fliehen muss und von allen (außer Bolaño und seinen alter egos) vergessen wird, ein von der Gesellschaft Geächteter. Vielmehr repräsentiert Urrutia den Typus des feigen Intellektuellen, der es am bequemsten in seinem Elfenbeinturm der Kunst hat und dem es gelingt, sich seinen Platz auch im neuen System zu erobern, ohne dabei Schuld zu empfinden. Was dieses Verhalten für das Thema der Erinnerung und des Vergessens impliziert, welches im Text wiederum durch zahlreiche Metaphern und andere memoriaspezifische Erzählmittel aufgerufen wird, hat Roberto Bolaño selbst festgehalten: „Ohne Schuld zu leben ist wie außerhalb der Zeit zu leben, in einer lebenslangen Gegenwart, in einem Gefängnis aus Soma oder wie diese Droge hieß, die sie in Huxleys <em>Brave new world</em> nahmen. Ohne Schuld zu leben heißt die Erinnerung abschaffen, die Feigheit zu perpetuieren.“</p>
<p style="text-align: justify;">Sind Ramírez Hoffmann und Urrutia Lacroix in Bolaños Werk also Beispiele für Poeten, die mit der Diktatur und dem Bösen eine Symbiose eingehen und die auch vor dem Hintergrund ihres Kunstverständnisses gelesen werden kann, so liefert Roberto Bolaño in seiner Trilogie und auch in anderen Werken den Gegenentwurf einer Poetik der Erinnerung, von deren Merkmalen hier abschließend einige noch kurz betrachtet werden sollen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Roberto Bolaño alias Arturo Belano – Der wilde Detektiv und der Geist Pierre Menards</strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Beinahe in allen Romanen (und den meisten Erzählungen) Roberto Bolaños geht es in irgendeiner Weise um Erinnerungen, erzählt eine Figur in der ersten Person von der Vergangenheit, egal ob in <em>Stern in der Ferne</em> oder <em>Chilenisches Nachtstückt</em>, ob in <em>Die wilden Detektive</em>, in <em>Amuleto</em>, in <em>Monsieur Pain</em> oder im <em>Lumpenroman</em> – stets begegnet man als Leser einem oder einer Vielzahl sich erinnernder Ichs, die vom Standpunkt einer oft prekären Gegenwart aus auf eine Vergangenheit zurückblicken, die in einem Moment eine verheißungsvolle Zukunft zu sein schien, aber bald darauf albtraumhafte Züge annahm. Bolaño selbst bekannte in seiner Rede anlässlich der Verleihung des <em>Premio Rómulo Gallegos</em>: „Alles, was ich geschrieben habe, ist ein Liebes- oder Abschiedsbrief an meine eigene Generation, an diejenigen, die wir in den Fünfzigern geboren wurden und die wir in einem bestimmten Moment den Beruf des Kriegsdienstes wählten und die wir das Wenige, was wir hatten, das Viele, was wir hatten, unsere Jugend, einer Sache hingaben, die wir für die großzügigste Sache der Welt hielten und die es in gewisser Weise auch war, aber es in Wirklichkeit nicht war.“ Für Bolaño und seine Generation waren nicht nur der Putsch in Chile, sondern genauso die anderen Militärdiktaturen des Kontinents dieser Zeit, das Studentenmassaker von Tlatelolco, traumatische Ereignisse, welche den Hoffnungen und Träumen der „wilden 60er“ in Lateinamerika ein brutalstmögliches Ende setzten und auch unter den Schriftstellern viele entweder das Leben kostete, wie Rodolfo Walsh oder Haroldo Conti, oder sie, wie im Fall des damals noch jungen und unbekannten Bolaño, ins Exil trieb. Und so war und ist der Blick Roberto Bolaños und seiner Figuren immer ein Blick zurück in der Zeit und auch ein Blick von den Rändern des Exils aus.</p>
<p style="text-align: justify;"><em> </em></p>
<p style="text-align: justify;">Wenn Bolaño das metaliterarische Spiel, das zuweilen bitterster Ernst ist, betreibt wie kaum ein anderer lateinamerikanischer Autor, so lassen sich daraus auch Schlüsse hinsichtlich seiner Poetik und dem Thema des Erinnerns und Vergessens ziehen: Was in allen Werken Bolaños auffällt, in denen Personen sich der Vergangenheit erinnern, ist die Tatsache, dass diese Erinnerungsprozesse von einer bewusst konstruierten Unsicherheit des erinnernden Subjekts geprägt sind. Ob es Urrutia Lacroix ist, der wiederholt über sein schwaches Gedächtnis klagt oder der Erzähler Bolaño in DNLIA, der schreibt: „Kann sein, daß sich bis hierher alles so zutrug, vielleicht aber auch nicht“ – immer wieder wird das Erinnern als das dargestellt, was es tatsächlich ist: ein von Subjektivität und Konstruktivität geprägter Akt, der sich bei Bolaño erzähltechnisch immer wieder in den per se zu bezweifelnden autodiegetischen Erzählinstanzen widerspiegelt, die wie im prototypischen Fall von Die wilden Detektive eine Polyphonie ausbilden, die jegliche Konstruktionsversuche einer „kohärenten“ oder allgemeingültigen Vergangenheitsdeutung verunmöglichen. Diese Einsicht in die Funktionsweise von Erinnerung und Vergessen geht, wie schon im Falle von Urrutia und Ramírez Hoffmann inszeniert, mit einer spezifischen literarischen Poetik einher, die sich exemplarisch in Stern in die Ferne beobachten lässt: Wenn Bolaño hier im Prolog darauf hinweist, dass sein Werk die Wiederaufnahme des letzten Kapitels von DNILA ist, die er mit seinem alter ego Arturo Belano und in Diskussionen mit dem „jeden Tag lebhafteren Geist Pierre Menards“ verfasst hat, so lässt sich in der Referenz auf Borges‘ berühmte, das Problem von Autorschaft, Originalität und Intertextualität thematisierende Erzählung ein wichtiger Schlüssel zu Bolaños ganzem Literaturverständnis finden: Literatur ist kein Akt einer radikalen Neuerfindung, die im Sinne eines Ramírez Hoffmann und der Avantgarde für die gewaltsame Vernichtung ihrer Vorläufer einsteht, die von Bolaño ohnehin als Illusion entlarvt wird, wenn er zeigt, dass Ramírez Hoffmanns „Kunst“ längst nicht so ahistorisch und innovativ ist wie dieser meint, sondern in Wirklichkeit nur auf bekannte Muster der Avantgarde-Bewegungen wie des Futurismus oder Prätexte wie die Bibel zurückgreift und ihre ganze Seinsmöglichkeit überhaupt erst aus der historischen Situation bezieht, in der sich der Poet bewegt: Ohne sein Flugzeug, ohne die Möglichkeit, ungestraft Morde zu begehen, wird Ramírez Hoffmann zu einem konturlosen Gespenst, das sich wie Bolaño in den Weiten des Exils verliert. Literatur ist für Bolaño deshalb im Unterschied dazu das bewusste „Sich- Einschreiben“ in ein bestehendes Netz aus literarischen Traditionen, das Reflektieren und, besonders ausgeprägt, auch kritische Hinterfragen und Betrachten von Literatur, auf dessen Grundlage innovative Werke zu entstehen vermögen, ohne sich der Illusion einer absoluten Neukreation hinzugeben. Der Literaturwissenschaftler Pablo Valdivia Orozco hat in einem interessanten Artikel darauf hingewiesen, dass Bolaño in seiner Konzeption dem in seinem Werk immer wieder bewundernd erwähnten Nicanor Parra auch in dem Sinne sehr nahesteht, als für ihn der Dichter „eine kleine Republik“ ist und eben nicht wie für Vicente Huidobro, den berühmten chilenischen Avantgardedichter und Schöpfer des Creacionismo „ein kleiner Gott“. Der Figur des Poeten als Schöpfergott stellt Bolaño den Schriftsteller als Detektiv entgegen, der überlebt hat und nun permanent auf der Suche ist, nach den Erinnerungen, nach verloren gegangen Dichtern, nach dem Leben und dem Tod in Lateinamerika, diesem „Irrenhaus Europas“, wie Bolaño es nannte, und immer im Sinne dessen, was für Bolaño die Verkörperung einer escritura de calidad war, nämlich „es zu verstehen wissen, den Kopf in die Dunkelheit zu strecken, ins Leere zu springen, zu wissen, dass die Literatur zuvorderst ein gefährliches Unterfangen ist. Am Rande der Schlucht zu rennen: auf der einen Seite der Abgrund ohne Boden und auf der anderen Seite die Gesichter derer, die man liebt, die lachenden Gesichter, die man liebt, und die Bücher und die Freunde und das Essen.“</p>
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