Ariel Magnus – Portrait

„Ich habe zu viel gelacht“- mit diesem, in beinahe vorwurfsvollem Ton geäußerten Urteil wurde Ariel Magnus, laut eigener Aussage, nach Erscheinen der deutschen Übersetzung seines Erfolgsromans „Un chino en bicicleta“ von einem deutschen Kulturjournalisten konfrontiert. Denn tatsächlich scheint es den Feuilletonisten hierzulande wahlweise noch immer ein Rätsel oder gar ein Ärgernis, wenn ein Autor Bücher verkauft, bei deren Lektüre man als Leser aus dem schallenden Lachen kaum mehr herauskommt, und dafür sogar noch prestigeträchtige Preise einheimst. Magnus erzählt diese Anekdote überaus amüsiert, weiß er doch aufgrund seiner eigenen Biographie wohl besser als jeder andere zeitgenössische argentinische Autor, wie die Deutschen und ihre Kulturszene ticken: 1975 als Enkel einer deutsch-jüdischen Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires geboren, kommt Magnus 1999 mit einem Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung zum Studium nach Deutschland, „auch wenn ich schon damals immer mehr Zeit ins Schreiben als ins Studieren gesteckt habe“, wie er grinsend bekennt. Neben dem Romanistik- und Philosophie-Studium, zunächst in Heidelberg, später an der Humboldt-Uni in Berlin, beginnt Magnus für die taz und verschiedene lateinamerikanische Medien zu schreiben, nicht allerdings, weil er so begeistert vom Journalismus gewesen wäre, „sondern um Leute kennenzulernen, denen ich bei Gelegenheit eines meiner Bücher unterjubeln konnte“.

2005 ist es soweit, Magnus veröffentlicht seinen ersten Roman „Sandra“ beim berühmten argentinischen Verlagshaus Emecé, in dem sich bereits ankündigt, was die Essenz von Magnus‘ Stil zu sein scheint: skurrile Geschichten in origineller, innovativer Sprache mit sehr viel Witz und einem gewissen Hang zur Tragikomik. Ob es wie in „Sandra“ eine Firma ist, die Lebensmüde professionell bei der Planung und Durchführung von Suiziden unterstützt, ein bizarrer Bibliothekar in Heidelberg wie in „Muñecas“, dessen Kampf gegen die Einsamkeit im Sammeln eines Harems aufblasbarer Gummipuppen besteht, oder ein Programmierer, der in „Un chino de bicicleta“ von einem chinesischen Pyromanen ins Chinatown der argentinischen Hauptstadt verschleppt wird: Magnus hat eine Vorliebe für leicht abseitige Themen – und ist damit erfolgreich. 2007 erhielt für den besagten Roman über den Chinesen auf dem Fahrrad den bekannten, mit 30.000 Dollar dotierten kolumbianischen Literaturpreis „La otra orilla“. „Ein Scheißglück“, sagt Magnus lachend, „wenn man bedenkt, dass es das erste Mal war, dass ich einen Roman zu so einem Wettbewerb geschickt hatte.“  In der Jury saß damals übrigens ein anderer argentinischer Autor, mit dem man Magnus seither gerne vergleicht: César Aira. Und auch wenn Magnus sagt, es gebe zwischen Aira und ihm „mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten“, so teilt er mit dem großen Meister des Absurden der zeitgenössischen argentinischen Literatur zumindest eines: die hohe literarische Produktivität. Allein in diesem Jahr ist laut Magnus, der zudem auch als literarischer Übersetzer aus dem Deutschen arbeitet, die Veröffentlichung eines Erzählbandes und zweier weiterer Romane (im spanischen Original) geplant. Auch wenn er über deren Inhalt noch nicht allzu viel verraten will, eines scheint sicher: es darf wieder gelacht und gestaunt werden über die Originalität dieses so intelligenten wie witzigen Schriftstellers.

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