Gesammelte Zitate

Beinahe vergessen: Dieser Beitrag soll als offizielle Zitate-Sammlung zu Bolaños Die Wilden Detektive dienen. Wer ein schönes/interessantes/verstörendes/etc. Zitat findet, kann es einfach als Kommentar zu diesem Beitrag veröffentlichen. Ich werde in der Seitenleiste auf die Sammlung hinweisen, so dass sie immer schnell zur Hand ist. Vielen Dank an Stefanie aus Hamburg, die die Idee zu dieser Sammlung während des 2666-Projektes hatte.

22 Responses to “Gesammelte Zitate”

  1. Juergen Luebeck

    Mit dem Rücken voraus, den Blick auf einen sich entfernenden Punkt gerichtet, in direkter Linie hin auf das Unbekannte.
    Ulises Lima, S. 14 (Tb-Ausgabe)

  2. Juergen Luebeck

    [...] wir bewegten uns … und bewegten uns … wir machten, was wir konnten … aber es kam nichts Rechtes dabei heraus.
    Rafael Barrios, DwD 6.1, S. 267 (Tb-Ausgabe)

  3. Der Buecherblogger

    Was ist hinter dem Fenster?
    Ein aufgehängtes Bettuch.

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    Was ist hinter dem Fenster?

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    DwD, S. 773

  4. Der Buecherblogger

    Leider ist der graphische Reproduktionsteil des Zitats ja total missglückt, aber mich würde doch sehr interessieren, wie andere Leser diese letzte Frage des Romans beantworten würden oder warum der letze Satz eine Frage und noch dazu eine visuell aufbereitete ist.

  5. Flannery Culp

    Den Schluss des Buches fand ich auch etwas irritierend. Ohne jetzt vorgreifen zu wollen, und ohne spoiler, hier meine Überlegungen zu den Schluss-Drudeln: Wie bei den Drudeln, die Cesarea gezeichnet hat, handelt es sich um drei Bilder, die eine Art Entwicklung aufzeigen. Die Drudel von Madero zeichnen sich aber durch eine Besonderheit aus: normalerweise besteht ein Drudel aus dem Rahmen und einem Bild im Rahmen, so wie z.B. der Drudel mit dem Stern. Im zweiten Drudel wird dagegen nur noch der Rahmen gezeigt, und im dritten löst sich selbst der Rahmen auf. Während sowohl die Cesarea Drudel-Sequenz als auch die Madero-Drudel-Sequenz negativ endet, ist die Madero Sequenz ungleich radikaler, weil sich hier nicht nur der Inhalt verschwinden, sondern sich das Medium (der Drudel) selbst auflöst. Wie das jetzt im Hinblick auf den viszeralen Realismus bzw. auf Belano und Lima zu interpretieren ist, sollte man vielleicht erst diskutieren, wenn der Lesemarathon zu ende ist.

  6. Günter Landsberger

    “Er las viel und lief immer mit ein paar Büchern unter dem Arm herum, alle auf französisch, obwohl er die Sprache, ehrlich gesagt, alles andere als gut beherrschte” (DwD, S.285)

  7. Günter Landsberger

    “eine Geschichte über verschollene Dichter, verschollene Zeitschriften und Werke” … “inmitten einer Landschaft, die vielleicht in Kalifornien oder Arizona lag oder in irgendeiner an diese Staaten angrenzenden mexikanischen Gegend, einer imaginären oder wirklichen Region” … “eine Geschichte von den Randbereichen der Zivilisation” (S.301)

  8. Günter Landsberger

    “Ständig diskutierten wir, und unsere bevorzugten Themen beziehungsweise das einzige Thema überhaupt war Politik und Literatur.” (Roberto Rosas, S.290)
    “Ich war die einzige im Bus, die etwas Deutsch konnte, und Hans nutzte die Gelegenheit, mit mir in seiner Sprache zu reden. Aber nicht über deutsche Literatur, die mich fasziniert, sondern über Politik, was ich am Ende immer langweilig fand.” (Mary Watson, S.306)

  9. Günter Landsberger

    “Der brave Ulises blieb unterdessen in seinem Schlafsack und las oder sah zum (!) Fenster hinaus.” (S.388 / Es erzählt seit S.381 der Wiener Heimito Künst. Der Übersetzer Heinrich von Berenberg hätte hier die Chance gehabt, österreichisch korrekt “beim (!) Fenster” zu übersetzen. – Der Teufel sitzt im Detail?)

  10. Günter Landsberger

    “(dieses Klo ist das Kämmerchen, das ich niemals hatte, dieses Klo war mein Schützengraben, mein Duineser Schloß, meine Epiphanie von Mexiko).” (Auxilio Lacouture, S.246)

  11. Günter Landsberger

    “Und, wie unser Dichter Othón schon vor mehr als einem halben Jahrhundert zu sagen pflegte, mich beschlichen Zweifel.”
    (S.419, Hugo Montero)

    “und die Tage vergingen, wie es irgendwo bei Vallejo heißt” (S.421, Hugo Montero)

  12. Günter Landsberger

    “jeder Dichter geht irgendwann einmal verloren”
    (S.424, Don Pancracio)
    “seien Sie unbesorgt, der Dichter stirbt nicht, er geht unter, aber er stirbt nicht”
    (S.430, Don Pancracio)

  13. Günter Landsberger

    “Belano, sagte ich, der Kern der Sache ist doch die Frage, ob das Böse, das Delikt, das Verbrechen, wie Sie wollen, kausal oder zufällig ist. Ist es kausal, dann können wir es bekämpfen, es steht zwar nicht fest, daß wir siegen, aber wir können es versuchen, wie wenn zwei vom Gewicht her gleichwertige Boxer miteinander kämpfen. Ist es dagegen zufällig, dann sind wir geliefert. Dann gnade uns Gott, wenn es einen gibt. Darauf läuft alles hinaus.” (Abel(!)Romero; DwD, S.504)

  14. Günter Landsberger

    Zum letzten Zitat passt, scheint mir, wieder etwas von Kleist, nämlich seine “Anekdote” von den zwei berühmten englischen Boxern aus Portsmouth und Plymouth.

  15. Günter Landsberger

    “Alles hatte, laut Piel Divina, mit einer Reise in den Norden angefangen, die Lima und sein Freund Belano Anfang 1976 unternommen hätten. Danach hätten sich beide auf die Flucht begeben, erst durch die Hauptstadt, dann durch Europa, jeder auf eigene Faust. Als ich fragte, was die Begründer des viszeralen Realismus in Sonora verloren hätten, sagte Piel Divina, sie hätten nach Cesárea Tinajero gesucht. Nachdem er ein paar Jahre in Europa verbracht habe, sei Lima nach Mexiko zurückgekehrt. Vielleicht in dem Glauben, alles sei vergessen, aber eines Nachts, nachdem Ulises Lima versucht habe, die Gruppe der Realviszeralisten wiederzubeleben, seien die Killer wiederaufgetaucht, und er habe wieder fliehen müssen.” (Luis Sebastián Rosado; DwD, S.441f)

  16. Günter Landsberger

    “Ich bin ein freundlicher, geselliger Mensch, der es nach Möglichkeit vermeidet, dem Wandel von der Komödie zur Tragödie nachzuhelfen, dafür sorgt das Leben selbst.” (Guillem Piña, DwD, S.597)

    “Was als Komödie beginnt, endet als Tragödie.” (Iñaki Echavarne, S.615)

    “Was als Komödie beginnt, endet als Tragikomödie.” (Aurelio Baca, S.616)

    “Was als Komödie beginnt, endet unfehlbar als Komödie.” (Pere Ordóñez, S.617)

    “Was als Komödie beginnt, endet als kryptographisches Exerzitium.” (Julio Martínez Morales, S.619)

    “Was als Komödie beginnt, endet als Horrorfilm.” (Pablo del Valle, S.623)

    “Was als Komödie beginnt, endet als Triumphmarsch, oder etwa nicht?” (Marco Antonio Palacios, S.625)

    “Was als Komödie beginnt, endet unvermeidlich als Geheimnis.” (Hernando García León, S.629)

    “Was als Komödie beginnt, endet als Responsorium im leeren Raum.” (Pelayo Barrendoáin, S.632)

    “Was als Komödie beginnt, endet als komischer Monolog, aber für uns gibt es nichts mehr zu lachen.” ((Felipe Müller, S.636)

    Und wie und wo endet der ganze Roman “Die wilden Detektive”? -

    Die Antwort fällt unterschiedlich aus, je nachdem, ob man stärker auf die “Erzählzeit” oder aber auf die “erzählte Zeit” achtet
    (bzw. auf die erreichte Seitenzahl oder die schon vorher erreichte Zeitstelle). Das trifft übrigens auch für RBs Roman “2666″ ganz ähnlich zu.

  17. Günter Landsberger

    “Eine traurige Geschichte, aber wenn ich mich daran erinnere, fange ich immer an zu lachen.” (Maria Teresa Solsona Ribot, S.650)

  18. Günter Landsberger

    “Er las viel und lief immer mit ein paar Büchern unter dem Arm herum, alle auf französisch, obwohl er die Sprache, ehrlich gesagt, alles andere als gut beherrschte (wie schon gesagt, wir redeten meist Spanisch.)” (Simone Darrieux, Juli 1977; DwD, S.285)

    “Als ich erwachte, las der brave Ulises. Ich fragte, welches Buch er lese. Die SELECTED POEMS von Ezra Pound, sagte er. Lies mir etwas vor, bat ich. Aber ich verstand kein einziges Wort.” (Heimito Künst, Mai 1980; DwD, S.385)

    “Ich kann kein Arabisch. Der brave Ulises auch nicht. Aber ich las trotzdem.” (Heimito Künst, Mai 1980; DwD, S.385)

  19. Günter Landsberger

    “Bildende Kunst ist im Grunde etwas Unverständliches. Oder sie ist so ohne weiteres verständlich, daß niemand, und ich schon gar nicht, die offensichtlichste Lesart akzeptieren kann.” (Guillem Piña, Juni 1994, DwD, S.597)

  20. Günter Landsberger

    “ich vermutete, daß ich am Steuer meines verlorengegangenen Impala Cesárea Tinajero erblicken würde, die verlorengegangene Dichterin” ((Joaquín Font, August 1987, DwD, S.484)

  21. Horst Lauscher

    “Das Leben steckt voller Probleme, das Leben in Barcelona aber war damals einfach wunderbar, und P r o b l e m e h i e ß e n b e i u n s Ü b e r r a s c h u n g e n.” (DwD, Tb-Ausg., S. 598)

  22. th.b.

    das leben, wie ein

    kommentar zu etwas anderem,

    das wir nicht erreichen,

    und es liegt da in

    reichweite des sprungs,

    den wir nicht machen.

    (cortázar: rayuela, ein bruder bolanos)

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