Der Teil der Kritiker (- S. 140 HC / 150 TB)

Und es geht weiter, die Kritiker gehen auf Reisen und die Verbindungen werden komplizierter!

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6 Responses to “Der Teil der Kritiker (- S. 140 HC / 150 TB)”

  1. Tatjana Sali

    Bin ich die erste?
    Bolanos Buch wirkt auf mich mehr und mehr als eine nächtliche paranoide lichtdurchflutete Großstadt (das Negativbild der Welt), wo ziemlich oft Stromausfälle gibt, mit dunklen gefährlichen Ecken, Bars, Parks, Friedhöfen und Irrenhäusern. Ach ja und Museen. Wo die sonderbarsten Geschichten lauern,z.B. von den Maler Edwin Johns, der seine RECHTE Hand in seinem Meisterwerk aus überlagerten Selbstbildnissen verewigt hat,vollbemerkt abgehackte HAND (ich gehe davon aus, dass er Rechtshänder, und ein fiktiver Maler war). Willkommen auf der Mülldeponie der Genialität eine Ausstellung restlos zur Wucherpreisen an wen sonst, natürlich einen Araber, zu verkaufen. Ein Wahnsinniger? Oder ein fürsorglicher Vater, wenn er ein Vater war, der für seine Kinder ausgesorgt hat, den seine nun reiche “Witwe” in die Psychiatrie gesteckt hat. Ha-ha. Die Geschichte gefällt mir, wie sie fast nebenbei auftaucht. Da kann man schon den melancholischen Morini verstehen, wenn er “Wunsch zu weinen oder wenigstens in Ohnmacht zu fallen” hat.
    Am besten gefällt mir die kathartische Szene mit dem Taxifahrer. Ein brillantes Scenario von der Oase des Grauens: Die Kritiker haben sich aber von sowas abreagiert, und auch noch den Islam dabei “gründlich”kritisiert.
    Was sagt ihr zu der Szene?

  2. Timo Berger

    Liebe Tatjana Sali,

    die Taxiszene ist wirklich das Highlight! Ich habe das Buch noch nicht von Neuem angefasst. Aber immer wenn ich mich an 2666 erinnere, dann fällt mir diese Szene ein, in der so meisterhaft Zivilisation in Barbarei umschlägt. Und demaskiert, wie dünn doch diese Eis der Elite sein kann.

  3. Andreas Gierth

    Die Taxi-Szene ist grandios. Am Ende , nachdem “sie von ihm abgelassen hatten, versanken sie für Sekunden in die seltsamste Ruhe ihres Lebens. Als wäre es zwischen ihnen doch noch zur menage a trois gekommen, von der sie so viel phantasiert hatten.” (Bitte die Falschschreibung des franz. Ausdrucks zu entschuldigen. Kriege das gerade mit meiner Tastatur nicht hin.) Eine ganz eigene Variante des Themas Gewalt und Sexualität in diesem Buch.

  4. Tatjana Sali

    “Pelletier fühlte sich wie nach einem Orgasmus. Nur wenig anders ging es Espinoza. Norton, die sie anstarte , ohne sie in der Dunkelheit zu sehen, schien gleich mehrmals hintereinander gekommen zu sein” (S.106 TB).
    Und ein paar Seiten davor, geht es um Freundschaft und Treue. “…aber die Wahrheit ist, dass weder Pelletier noch Espinoza”… an die Freundschaft oder Treue glaubten. Sie glaubten aber unter anderen an die Selbstverwirklichung (S.92).Passt doch ausgezeichnet in unsere Zeit: was früher beste Freunde bei ein paar Flaschen Wein erledigt haben, erledigen heute der Psychotherapeut oder Facebook.

  5. Literary Walk

    Die Taxiszene finde ich mehr als grandios. Irgendwie lässt diese Erinnerungen in mir hochkommen an Kleist’s Penthesilea, die ihren Achill zerfleischt. Und danach auch in einen ähnlichen Zustand verfällt. Man könnte sogar Parallelen heranziehen, die an Nietzsches “Geburt der Tragödie erinnert: Der immerwährende Kampf zwischen dem Dionysischen und dem Appolonischen. Wo zunächst eine ziemliche Beschränkung auf das Sexuelle vorlag, so überwiegt hier kurzzeitig ein aggressiver Ausbruch, der vielleicht auch den Frust über die unglückliche Beziehung mit ausbrechen lässt…
    Was mich in diesem Abschnitt wieder sehr interessiert hat, waren die Bezüge zu antiken Mythen. Merkt man vielleicht auch an meiner Anmerkung zu Penthesilea und Kleist. Da sich auch meine Magisterarbeit genau mit dem Thema befasst, suche ich oft in Literatur ähnliche Bezüge, auch wenn sie ab und an ein wenig an den Haaren herbeigezogen wirken mag. Aber jeder liest und interpretiert Literatur ein wenig anders. Das ist dann wohl meine Lesart :)

  6. SabrinaK1985

    Ich entspreche in meiner Meinung vom zweiten Abschnitt sehr der von Tatjana Sali, die Geschichte von dem Maler, der seine abgehackte Hand ins Kunstwerk eingebaut hat, werde ich so schnell wohl auch nicht mehr vergessen – und das diese Dreiecksbeziehung es mal zum kochen lassen kommen wird, war einem auch irgendwo klar, das kann ja nicht wirklich gut gehen – ich bin nun auf den dritten Abschnitt gespannt, und werde dann wohl hoffentlich nächste Woche einen ausführlicheren Bericht auf meinem Blog schreiben, aber dann poste ich hier auch noch mal den Link!

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