William Burns

Ein Mann, William Burns, vielleicht Privatdetektiv oder Personenschützer, fährt mit zwei Frauen und deren beiden Hunden in die Berge in den Urlaub. Die Frauen erzählen William Burns von dem “Mörder”, der Ihnen etwas antun wolle. Burns fährt also nicht in den Urlaub, sondern arbeitet als Beschützer der Frauen. Eine der Frauen ist anscheinend Schriftstellerin, die andere widmet sich der Gartenarbeit, Burns kocht.
Eines Tages verschwinden die beiden Hunde. Der “Mörder”, so wird vermutet, ist schuld am verschwinden. Am nächsten Tag fährt Burns in die Stadt, in der der “Mörder” wohnt um ihm einen “Besuch” abzustatten. Am Stadtrand findet er die beiden Hunde, nimmt sie zu sich ins Auto und fährt in den Laden von Bedloe, so der Name des “Mörders”, einen Laden für Touristen.
Im Laden passiert nichts. Burns schaut sich die Waren an, beobachtet Bedloe, einen Mann wie ein “Filmschauspieler”.

Als Burns den Laden verlässt, folgt ihm der Hund von Bedloe. Bedloe verfolgt sie, der Hund steigt zu den beiden anderen Hunden in den Wagen von Burns und Burns fährt zurück in die Berge zu den beiden Frauen.
In der Nacht sieht Burns Bedloe an einem Fenster des Hauses, der versucht ins Haus zu gelangen. Burns und die Frauen versuchen alle Fenster und Türen des Hauses zu verschließen. In einem Zimmer ist Burns zu spät. Der “Mörder” öffnet ein Fenster in einem Zimmer in dem Burns auf ihn wartet. Bedloe wird zu Boden gerissen und Burns tritt wie im Rausch minutenlang auf ihn ein. Als er wieder zu sich kommt schleppt er den leblosen Körper ins Zimmer zu den beiden Frauen, der Tod wird festgestellt, die Frauen ziehen den Leichnam aus, Burns verschwindet mit einer Flasche Whisky auf die Veranda. Er beobachtet die Hunde die im Dunkeln herumtollen, aber nur die Hunde der beiden Frauen. Am nächsten Tag wird der Leichnam in den Lieferwagen geschafft und in den Bergen entsorgt. Burns verlässt die Frauen, kehrt zurück in die Stadt und wird sechs Monate später erschossen.

Soweit der Inhalt. Diese Nacherzählung hat aber nur wenig mit der Erzählung von Bolano zu tun. Bei Bolano ist diese Geschichte ein Albtraum, eine Geistergeschichte in einem verschwunschenem Haus.
Schon der Beginn, wie öfter bei Bolano: der Erzähler bekommt eine Geschichte erzählt von einem Freund, ein Polizist aus Santa Teresa(!), der die Geschichte von William Burns erzählt bekommen hat. Kann man dieser Erzählung über drei Ecken überhaupt trauen?

Die beiden Frauen: eine Frau schon älter, im Alter von Burns, die andere fast noch ein Kind, doch nicht so weit auseinander, das man sie für Mutter und Tochter halten kann. Später erzählen sie Burns, Bedloe wäre eine Schülerliebe von beiden gewesen.

Das Haus in den Bergen: Es hat unendlich viele, unterschiedlich große Fenster, er wirkt wie dreigeschossig, ist aber zweigeschossig. Burns Zimmer im Haus hat zwei Fenster, aber zwei Fenster übereinander. Der Mord geschieht in einem Zimmer im Erdgeschoss, das Burns nie zuvor betreten hat, obwohl es direkt am Eingang des Hauses liegen muß, es wird von den Lampen am Eingang matt erhält.

Noch eine seltsame Szene: In der Nacht nachdem die Hunde verschwunden sind, in der Nacht vor der Fahrt in die Stadt, kommt eine der Frauen zu Burns ins Bett, am nächsten Morgen ist sie verschwunden und Burns weiß nicht welche von beiden es war. Burns erzählt von Ängsten die er diese Nacht ausgestanden hat.
Der Höhepunkt der Erzählung und sicher auch der Höhepunkt der Verwirrung in die der Leser geführt wird: der Abend vor dem Mord. Beim Abendessen entfernt sich Burns immer weiter in seinen eigenen Kopf. Die Gespräche am Tisch erreichen ihn immer weniger, nur noch Fragmente von den Erzählungen der Frauen. “…sie sprachen von Kindern, und die Art wie sie das taten, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.”
Das Ende: “Ich werde zurück in die Stadt gehen, sagte ich, und die Nachforschungen an dem Punkt wieder aufnehmen, wo ich den Faden verloren habe” So Burns zu den Frauen. Welche Nachforschungen? Welchen Faden? Welche Stadt? Sicher scheint nur sein Tod sechs Monate später. Wenn man einem Polizisten aus Santa Teresa Glauben schenken darf…..

Boris Schuster, 44, hat mal Theaterwissenschaften studiert, arbeitet aber seit Jahren in der Logistikabteilung eines Büromöbelherstellers.

3 Responses to “William Burns”

  1. Günter Landsberger

    S.128 “Mit dem ersten Käteschauer traf mich die Erkenntnis. Der Tote war kein Mörder. Der wahre Mörder, der sich irgendwo fernab versteckt hielt, oder wahrscheinlicher noch das Verhängnis, hatte uns getäuscht.”

  2. Günter Landsberger

    “Kälteschauer” (das “l” hat gerade leider gefehlt)

  3. Martina Kirstein

    Ohne die Geschichte gelesen zu haben, erscheint mir diese Zusammenfassung ähnlich geheimnisvoll verworren, wie manche Passagen in “2666″ – auf jeden Fall werde ich die Erzählung nun lesen!

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