R.Bolaño – 2666: Gesammelte Zitate

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  1. Yvonne Berardi

    “Sie sagen piep piep, wau wau, miau miau, weil sie nicht imstande sind, sich ein Tier von ungeheuren Ausmaßen oder die Abwesenheit dieses Tiers vorzustellen.” Seite 157

  2. Yvonne Berardi

    “Für den, der keinen andren Weg sieht, als aufzustehen und dem bereits angesammelten Schmerz weiteren Schmerz hinzuzufügen. Schmerz sammelt sich an, sagte mein Freund, das ist eine Tatsache, und je größer der Schmerz, desto kleiner der Zufall.” Seite 118

  3. Franz Tunda

    “Sie beendeten die Nacht betrunken, und der junge Kellner mußte ihnen beim Verlassen der Bar behilflich sein.” S.86

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  5. Yvonne Berardi

    “Im Süden entdeckten sie Eisenbahnlinien und von Barracken umgebene Fußballplätze für Arme, sie sahen sogar, ohne auszusteigen, ein Spiel zwischen einer Mannschaft von Todkranken und einer von Verhungernden im Endstadium (…).” Seite 166

  6. Günter Landsberger

    “und plötzlich stellte er bestürzt fest, dass er die Bücher von Archimboldi, die er in seinem Koffer verbarg, ganz vergessen hatte.” (S. 190)

  7. Günter Landsberger

    “Auf Anweisung von Johns setzte sich die Krankenschwester auf einen Baumstumpf und tat, als lese sie ein Buch.” (S. 191)

  8. Günter Landsberger

    “heute lese ich nur noch Lyrik. Nur die Lyrik ist nicht verseucht, nur die Lyrik ist frei von Kommerz.” (S.282)

  9. Günter Landsberger

    “Als er erwachte, meinte er von einem Film geträumt zu haben, den er kürzlich gesehen hatte. Aber alles war anders. Die Darsteller waren Schwarze, und der geträumte Film wirkte wie ein Negativ des wirklichen Films.” (S. 290)

    Zum Stichwort “NEGATIV” vgl. auch schon S.56:

    “Morini glaubte, der Schwabe sei auf eine erschreckende Weise Archimboldis Doppelgänger, sein Zwillingsbruder, das Bild, das Zeit und Zufall in das Negativ eines entwickelten Fotos verwandeln werden,” …

    Zum Motiv des DOPPEL- oder WIEDERGÄNGERS vgl. auch S. 282:

    “fand” … “den Geschmack des belesenen jungen Apothekers aufschlussreich, der in einem anderen Leben vielleicht Trakl gewesen war”

  10. Günter Landsberger

    “Alles in diesem Land” (“Mexiko” – in meiner Interpretation darüberhinausgreifend aber auch der ganze Roman “2666″) …

    “Alles in diesem Land ist eine Anspielung auf alle Dinge dieser Welt, einschließlich der Dinge, die es noch nicht gibt” (S. 417)

  11. Dietmar Hillebrandt

    und sein Gedicht “The Raven”. “Die Morde in der Rue Morgue” gelten als erste Detektivgeschichte. Der Rabe ist ein Symbol des Unheils, der düsteren Prophezeiung. Die stark analytische Erzählweise Bolanos verstärkt mit ihren symbolischen Andeutungen die Neugier der Leser, wer war Archimboldi, wer sind die Mörder der hunderte von Frauen:

    “In diesem Moment hörten alle den Gesang oder Ruf eines Raben.” (S. 118)

  12. Günter Landsberger

    In Wilhelm Raabes Roman “Das Odfeld” spielt immer wieder die Rabenschlacht als Vorbote jener anderen unter den Menschen alsbald auf sie folgenden eine bedeutsame Rolle:

    “Und zwischen den jammervollen Zeichen des großen Krieges aller gegen alle in Europa und Amerika stieß sie einen leisen verdrießlichen Schrei aus:

    »Jeses und Gott und auch noch die Vögel von gestern abend und heute morgen! Uh, Sein garstiges Vieh, Magister Buchius!«

    Und es war seltsam; auch der gelehrte Mann, der Magister, fuhr zusammen und entsetzte sich ob dem Faktum, daß sie wieder auch unter den Leichnamen der geflügelten Streiter vom gestrigen Abend und nicht mehr bloß unter den heute gefallenen Kämpfern von Deutschland, England und Frankreich standen.” (aus dem 23. Kapitel) -

    Zudem: Auch eine der Erzählungen Joseph Breitbachs hat den Titel “Die Rabenschlacht”.

  13. Günter Landsberger

    “und es überkam ihn eine tiefe und untröstliche Traurigkeit, als sähe er seine erste Liebe sich durch ein Labyrinth kämpfen.”
    (“2666″, S.66)

  14. Günter Landsberger

    “Selbstverständlich hatte Amalfitano eine gute Meinung von Archimboldi, wenngleich er ihn bei weitem nicht so verehrte wie die drei Kritiker. Amalfitano hielt ihn zum Beispiel für gleich gut wie Günter Grass oder Arno Schmidt.” (S.151)

    “Ich dachte”, sagte Amalfitano, “der beste deutsche Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts sei Kafka.” (S.153)

    “Haben Sie Peter Handke gelesen?” fragte Amalfitano. “Und Thomas Bernhard?” (S.153)

  15. Günter Landsberger

    S.155 – S.159: Amalfitanos anderes Höhlengleichnis (im Vergleich zu jenem Platons) mit der eingebauten Variante vom verlorenen Schatten als Peter Schlemihl-Variante (S.156f.)

  16. Günter Landsberger

    S.165 – S. 166 Grandiose Beschreibung der ersten großräumigen Santa Teresa – Erkundung alias Stadtbesichtigung per Auto

  17. Yvonne Berardi

    “… ein flüssiger Stern aus kochendem Wasser.” Seite 219

  18. Taxerer Sebastian

    Er lachte nicht nur mit den Lippen, den Augen und der Kehle, sondern auch mit den Händen, dem Hals und den Füßen, die am Boden kleine Stepptänze vollführten. “Seite 804″

  19. Günter Landsberger

    “Das Erste, was er morgens tat: Er las in Anskys Heft, das er an irgendeiner Stelle aufschlug.” (S.894)

  20. Günter Landsberger

    Unbeweisbare, dunkle Geburt der Romanfigur “Hans Reiter” aus Versen Georg Trakls in “Kaspar Hauser Lied”:

    “Die dunkle Klage seines Munds:
    Ich will ein Reiter werden.”

  21. Boris Schuster

    Als sie zu Hause ankamen, war es bereits dunkel, aber der Schatten von Diestes Buch an der Leine war eindeutiger, gefestigter und vernünftiger als alles, was er in der Umgebung von Santa Teresa und in der Stadt selbst gesehen hatte, dachte Amalfitano, Bilder ohne Halt, Bilder, in denen die ganze Verwaistheit der Welt enthalten war, Fragmente, Fragmente.
    Seite 258

  22. Günter Landsberger

    “man kann eine Sprache schlecht oder gar nicht sprechen und trotzdem imstande sein, sie zu lesen.” (S.176)

  23. Günter Landsberger

    “Jedes zweitklassige Werk hat einen geheimen Autor, und jeder geheime Autor ist per definitionem ein Autor von Meisterwerken.” (S.953)

  24. Günter Landsberger

    “Jetzt weinen wir und grämen uns und sagen, wir haben nichts gewusst! Wir waren ahnungslos! Die Nazis sind es gewesen! Wir hätten uns nicht so verhalten! Jammern, das können wir.” (S.952)

  25. Günter Landsberger

    “danach sagte er, der Mensch lebe nicht von gesundem Essen allein. Bücher müsse er lesen, sagte er. Nicht so viel fernsehen.”
    (S.316)

  26. Günter Landsberger

    “Wer liest, verschwendet nicht seine Zeit.” (S.316)

  27. Karl Kühl

    “Der Januar 1996 war für die Polizei von Santa Teresa dennoch kein schlechter Monat. Drei Kerle starben bei einer Schießerei in einer Bar unweit der alten Bahntrasse, vermutlich eine Abrechnung unter Drogenhändlern. Auf einem von Schleppern benutzten Schleichweg fand man einen Mittelamerikaner mit durchschnittener Kehle. Und ein kleiner Dicker mit einem skurrilen Schlips, der über und über mit Regenbögen und nackten, tierköpfigen Frauen bedruckt war, schoss sich beim Russisch-Roulette in einem Nachtclub in Madero-Norte eine Kugel in den Rachen. Aber weder auf den Brachflächen der Stadt noch in den Außenbezirken oder in der Wüste tauchten weitere tote Frauen auf.” (S. 608f.)

  28. Karl Kühl

    “[...] aber niemand fand eine vergewaltigte, gefolterte und anschließend ermordete Frau. Das war im Januar. Und wiederholte sich im Februar. Die gewöhnlichen Morde ja, Leute, die erst zusammen feierten und sich dann umbrachten, Morde, die nicht fimreif waren, Morde, die zur Folklore gehörten, nicht zur modernen Welt: Morde, die niemanden erschreckten.” (S. 656)

  29. Karl Kühl

    “[...] in den folgenden Stunden erfuhren die vier, was es heißen konnte, im Fegefeuer zu sitzen und, ein langes, hilfloses Warten, ein Warten, dessen Rückgrat die Ohnamcht war, übrigens etwas sehr Lateinamerikanisches, etwas, das man genau genommen jeden Tag erlebte, wenn auch ohne diese Angst, ohne dass der Schatten des Todes wie ein Schwarm Geier über dem Viertel kreiste und alles lähmte, alle gewohnten Abläufe über den haufen warf und alles auf den Kopf stellte. Während sie also auf den Vater der Mädchen warteten, dachte die Nachbarin (um die Zeit und die Angst totzuschlagen), dass sei gerne einen Revolver haben und auf die Straße laufen würde. Und was dann? Dann würde sie ein paar Schüsse in die Luft abgeben, um sich abzureagieren udn Viva Mexiko zu schreien, um sich Mut zu machen oder um eine letzte Wärme zu spüren dun dann in rücksichtsloser Geschwindigkeit mit den den Händen ein Loch in die festgestampfte Lehmstraße zu graben und sich, durchweicht bis auf die Knochen, darin für immer und ewig zu begraben.” (S. 641f.)

  30. Karl Kühl

    “Es wurde laut gelacht. Eine große Decke des Gelächters erhob sich in dem länglichen Lokal, als würden die Polizisten den Tod aufschütteln. Nicht alle, natürlich. Einige an entfernteren Tischen ließen sich ihre Eier mit Chilli oder Eier mit Fleisch oder Eier mit Bohnen schmecken, stumm oder in der Unterhaltung mit Kollegen, abgesondert von den anderen. Sie frühstückten, sagen wir, die Ellbogen auf Angst und Zweifel gestützt. Also auf das Wesentliche, das zu nichts führt. Traumstarr: Das heißt, mit dem Rücken zum Gelächter, das einen anderen Traum verfocht. Andere dagegen, die Ellbogen auf die äußeren Enden des Tresens gestützt, tranken stumm und sahen dem Treiben zu oder brummten, so ein Affentheater, oder brummten nichts, behielten nur die Schupos und die von der Kripo im Auge.” (S. 672)

  31. Karl Kühl

    “Manchmal glaubte er, dass er nicht mehr las, weil er Atheist war. Nicht zu lesen war sozusagen die höchste Stufe des Atheismus oder zumindest des Atheismus, wie er ihn verstand. Wenn du schon nicht an Gott glaubst, wie dann an ein verdammtes Buch? dachte er.” (S. 668)

  32. Karl Kühl

    “In einem Fall vertrat er das Gerichtsmedizinische Institut und die Universität von Santa Teresa bei einem Sympoium in Medellín, Kolumbien, und wirkte bei seiner Rückkehr wie ausgewechselt. Wir machen uns keine Vorstellung, was da vor sich geht, sagte er zu seiner Frau und sprach nie wieder von der Sache.” (S. 668f.)

  33. Karl Kühl

    “Der Name, sagte der Journalist. Antonio Uribe*, sagte Haas. Einen Moment lang sahen die Journalisten sich fragend an, ob der Name irgendeinem etwas sagte, aber alle zuckten die Schultern. Antonio Uribe ist der Name des Frauenmörders von Santa Teresa. Nach kurzem Schweigen fügte er hinzu: Und Umgebung. Und Umgebung? fragte einer der Journalisten. Der Mörder von Santa Teresa, sagte Haas, und der in der Umgebung der Stadt gefundenen toten Frauen. Und du kennst diesen Uribe? fragte einer der Journalisten. Ich habe ihn einmal gesehen, ein einziges Mal, sagte Haas. Dann holte er tief Luft, als würde er zu einer langen Geschichte ausholen, und Chuy Pimentel nutzte die Gelegenheit zu einem Foto. Darauf wirkte Haas durch Licht und Körperhaltung noch dünner, sein Hals noch länger, wie der Hals eines Truthahns, aber nicht wie irgendein Truthahn, sondern wie ein singender Truthahn oder einer, der sich eben anschickt, seine Stimme zu erheben, nicht einfach zu singen, sondern seine Stimme zu erheben, zu einem schrillen, knirschenden Gesang, einem Gesang wie gemahlenes Glas, aber mit einem starken Anklang an Kristall, also an Reinheit, an Hingabe, an das völlige Fehlen von Falschheit.” (S. 703)

    * Der Name des amtierenden und umstrittenen kolumbianischen Präsidenten lautet Álvaro Uribe. Beispielhaft für die Zustände in Kolumbien ist u.a. die sog. ‘Operation Orion’ in Medellíns Armenviertel Communa 13 am Ende des Jahres 2002.

  34. Yvonne Berardi

    Hallo, ich schlage vor, dass die Zitate erst eingestellt werden, wenn die Seiten im Fahrplan sind. Ich finde es viel spannender zu lesen, was Mitleser in den letzten 70 Seiten bemerkenswert fanden, als Zitate zu lesen, deren Zusammenhang ich gar nicht kenne.

  35. Günter Landsberger

    “Sie erreichten Santa Teresa von Süden her, und die Stadt kam ihnen vor wie ein riesiges Zigeuner- oder Flüchtlingslager, deren Bewohner sich beim leisesten Signal in Bewegung setzten.” (S.144)

    “In Nortons Zimmer gab es statt einem zwei Spiegel. Der eine hing wie in den anderen Zimmern neben der Tür, der andere an der gegenüberliegenden Wand neben dem Fenster zur Straße, so dass beide Spiegel, wenn man an einer bestimmten Stelle stand, einander reflektierten.” (S.144)

    “In Pelletiers Zimmer fehlte eine (sic!) Stück von der Kloschüssel.” … “Das fehlende Stück hatte die Form eines Hörnchens. Es sah aus, als hätte man es mit einem Hammer herausgeschlagen. Oder als hätte jemand einen anderen Menschen, der bereits am Boden lag, hochgehoben und mit dem Kopf gegen die Kloschüssel geknallt, dachte Norton.” (S.144)

  36. Günter Landsberger

    “körperlose Namen, namenlose Gesichter” (S.111)

  37. Günter Landsberger

    “Sie (= Vanessa, GFL) vertraute mehr ihren eigenen Augen als den Massenmedien.” (S.110)

  38. Günter Landsberger

    “Und die Statue stieg aus dem Meer, erhob sich über den Strand und war fürchterlich und zugleich wunderschön.” (S.105)

  39. Günter Landsberger

    “Dies veranlasste Espinoza zu der Bemerkung, der Taxifahrer, verdammt, habe gerade, natürlich unabsichtlich, Borges zitiert, der an irgendeiner Stelle London mit einem Labyrinth vergleiche. Worauf Norton erwiderte, lange vor Borges seien Dickens und Stevenson London mit dieser Trope zu Leibe gerückt.” (S.98)

  40. Günter Landsberger

    “Bifurcaria bifurcata gefiel Herrn Bubis nicht, ja er las den Roman nicht einmal zu Ende, obwohl er ihn natürlich veröffentlichen wollte, weil er dachte, dem Idioten Lothar Junge würde er vielleicht gefallen.”

    (S.1003 / nur ausnahmsweise wieder mal ein Vorgriff / Pardon, Frau Berardi)

  41. Yvonne Berardi

    “Piero Morini kam 1956 in einem Dorf unweit von Neapel zur Welt und obwohl er Benno von Archimboldi erstmals 1976 las, also vier Jahre vor Pelletier, dauerte es bis 1988, dass er einen ersten Roman des deutschen Autors übesetzte – Bifucaria bifurcata -, der in den italienischen Buchhandlungen ziemlich sang- und klanglos unterging.”
    Seite 15 / Ich weiß Ihr Pardon sehr zu schätzen, Herr Landsberger. Frue mich in diesem falle aber, dass das Buch über eine Seepflanze noch einmal Erwähnung findet.

  42. Günter Landsberger

    “es gibt keine a b g r ü n d i g e Erfahrung mehr, nicht mehr diesen S c h w i n d e l, bevor ein Film anfängt” (S.387)

    Ich lese “S c h w i n d e l” hier übrigens als
    “S c h w i n d e l der Freiheit” im Sinne von “Angst als dem Schwindel der Freiheit”, wie man es in Kierkegaards philosophischer Schrift “Der Begriff Angst” definiert findet.

  43. Günter Landsberger

    “Diese Lichtspielhäuser waren klasse, sie waren die wahren Kinos, fast Kirchen, mit hohen Decken, schweren, weinroten Vorhängen, Säulen, alten abgewetzten Teppichen, Parkett, Logen, Empore oder Olymp, Gebäude, die zu einer Zeit erbaut wurden, als der Film noch eine religiöse Erfahrung darstellte, alltäglich und trotzdem religiös, und die nach und nach von Banken oder Supermärkten oder Multiplexkinos verdrängt wurden. Heute gibt es nur noch ganz wenige von ihnen, …” (S.387)

  44. Günter Landsberger

    “Unseren Fragen ist grundsätzlich zu misstrauen. Aber wir müssen sie stellen.” (S.538)

  45. Günter Landsberger

    “Er hieß Victor García und hatte auf der rechten Schulter eine Tätowierung, die Fates Interesse weckte. Ein nackter Mann von hinten, der im Vorraum einer Kirche kniete und um den herum mindestens zehn sehr weiblich geformte Engel der Dunkelheit entstiegen wie Schmetterlinge, die die Gebete des Büßers herbeigerufen hatten.” (S.339)

  46. Günter Landsberger

    “Seine Mutter, erwiderte Quincy, sei Mitglied der Christlichen Kirche der Verlorenen Engel gewesen. Vielleicht heiße die auch anders. Er erinnere sich nicht mehr. Die heiße in der Tat anders, sagte Mr. Lawrence, Christliche Kirche der Wiedergefundenen Engel.” (S.290)

    Für mich ist diese Stelle so etwas wie eine augenzwinkernde Warnung des Erzählers, ja, wohl auch des Autors selber, seinen Romantext nie allzu plump verstehen zu wollen bzw. ihn übereilt einseitig misszuverstehen: manchmal könne auch das Gegenteil des Vermeinten oder perspektivisch Gesagten richtig sein; manchmal müsse auch proteushaft ein ganzes Spektrum von Möglichkeiten oder Nuancierungen in Erwägung gezogen werden, ohne dass dadurch bei allem spürbaren Willen zum Ernsthaften hin das Spielerische ganz aufgelöst werden dürfte.
    Von “Veräppeln” würde ich nicht sprechen, Kunst war auch schon redlicherweise für Schiller ein “Schein”, allerdings und nicht zu vergessen: “ein aufrichtiger Schein”.

  47. Günter Landsberger

    “Niemand schenkt den Morden Beachtung, dabei liegt in ihnen das Geheimnis der Welt verborgen.” (S.427)

  48. Karl Kühl

    Archimboldi „dachte im gleichen Moment, dass der Typ vor ihm nicht nur unangenehm, sondern geradezu lächerlich war, so lächerlich wie die Schmierenkomödianten und armen Teufel, die sich einbilden, einem entscheidenden Moment der Geschichte beigewohnt zu haben, wo doch jeder weiß, dachte Archimboldi, dass die Geschichte diese mausgraue Hure, keine entscheidenden Momente kennt, dass sie vielmehr eine Häufung von Augenblicken ist, von Zeitpunkten, die sich gegenseitig an Monstrosität überbieten.“ (S. 964)

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