Aktuelle Diskussion

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122 Responses to “Aktuelle Diskussion”

  1. Dietmar Hillebrandt

    Der “Lumpenroman” interessiert mich besonders, weil bisher wohl auch noch keine englische Übersetzung vorliegt. Original: “Una novelita lumpen”. Barcelona 2002. Deutsch: “Lumpenroman”, August 2010, Übersetzer: Christian Hansen! Erzählt die Geschichte eines Mädchens Bianca…

  2. Günter Landsberger

    Georges Perec, der französische Schriftsteller und Filmemacher ist Wikipedia zufolge am 7. März 1936 in Paris geboren und am 3. März 1982 in Ivry-sur-Seine gestorben.
    In RBs „Spaziergang durch die Literatur“, in der deutschen Übersetzung Heinrich von Berenbergs abgedruckt in RBs Essayband „Exil im Niemandsland / Fragmente einer Autobiographie“ (Berlin 2008, S.124 – S.135), knüpft gleich das erste der 57 Traumnotate des „Spaziergangs“ an Georges Perec an:
    „Mir träumte, Georges Perec sei drei Jahre alt und käme mich besuchen, ich umarmte ihn, ich küsste ihn, ich sagte, er sei ein wunderhübsches Kind.“
    Wenn man – nicht ganz zulässiger-, aber auch nicht ganz unzulässigerweise – den literarischen Träumer in den Notaten mit RB gleichsetzt, ist zu konstatieren, dass sich RB hier, drei Jahre vor seinem eigenen frühen Tod und 18 Jahre nach dem noch etwas früheren von Perec, in eine Begegnung mit GP als dreijährigem Kind hineinversetzt findet, zu einem Zeitpunkt, der sich 14 Jahre vor seiner eigenen Geburt befände. Es handelt sich sonach um den Traum von einer pränatalen Begegnung RBs als erwachsenem Träumer mit dem längst verstorbenen, ihm als eine literarische Bezugsperson unter einigen anderen besonders wichtigen George Perec als kleinem Kind. Wie sich die Zeiten und Lebensalter hier doch verschränken! Wie geschichtliche, geographische und Lebensgrenzen hier doch nicht mehr gelten! Wie hier der Jüngere auf einmal der Ältere zu sein scheint! Zu einem Zeitpunkt, als der eigentlich Ältere, aber inzwischen bereits Verstorbene, noch ganz klein gewesen ist und noch lange nicht der bedeutende wirkmächtige Schriftsteller.
    Zum Künstler als einem kleinen Kinde, das zu ihm zu Besuch kommt und nicht umgekehrt, vermag RB in seiner Rolle als der Träumende Nähe und Bewunderung mitmenschlich einfach, ja liebevoll auszudrücken, rückhaltloser und intimer, als beim bewunderten Erwachsenen GP es je der Fall sein könnte. Und wir als Leser… werden dabei nicht vergessen dürfen, obwohl dies sehr leicht passieren könnte, dass es im Jahr 1939 war, als der reale George Perec drei Jahre alt geworden ist.

  3. Günter Landsberger

    Schon der Tonfall des zweiten, etwas umfangreicheren Literaturspaziergang-Notats ist merklich ein anderer. -

    Wie wäre es, wenn wir uns, es gleichsam buchstabierend, zunächst getrennt, aber gleichzeitig damit befassten und unsere (vorläufigen) Ergebnisse alsbald vorlegten und sie gegeneinander- oder auch zusammenstellten?
    Ich hätte dazu große Lust.

  4. Günter Landsberger

    „2
    Auf halber Strecke, Vater, weder Fisch noch Fleisch, irren wir auf diesem großen Müllhaufen umher, gehen in die Irre, morden und bitten um Verzeihung. Manisch-Depressive in Deinem Traum, Vater, dem grenzenlosen, den wir tausend Mal ausgeweidet haben und weitere tausend Mal, lateinamerikanische Detektive, verirrt in einem Labyrinth aus Glas und Schlamm, durch den Regen reisend, Filme sehend, mit Greisen darin, die schreien, Sturm! Sturm! Mit einem letzten Blick auf die Dinge, aber ohne sie zu sehen, Gespenster, Frösche tief im Brunnen, Vater, verloren im Elend deines utopischen Traums, in der Vielfalt deiner Stimmen, Deiner Abgründe, depressive Maniker im unbetretbaren Saal der Hölle, wo Deine Witze braten.“

    Begnügen wir uns doch hier fürs erste mit der deutschen Übersetzung der 2. Station der Traumwegstrecke von Roberto Bolaños „Spaziergang durch die Literatur“, ohne auf das spanische Original auch nur hinzublinzeln. Auch so schon ahne ich, dass der sprachliche Wechsel „Manisch-Depressive“ und „depressive Maniker“ dem Übersetzer Heinrich von Berenberg und seiner Wortwiederholungsvermeidungsmanie geschuldet ist. Ob die doppeldeutigen Appositionen des Übersetzungstextes auch schon im Originaltext zu finden sind, auch dies prüfe ich hier noch nicht nach, halte es immerhin für möglich.
    Wie steht es aber mit der Anrede „Vater“?
    Dürfte, müsste diese Anrede als eine an Gott gerichtete verstanden werden, erhielte der ganze Text – von Anfang an oder im Nachhinein – den Charakter eines verzweifelten Gebetes.
    Wer ist aber mit „wir“ gemeint?
    Als Hilfe zu einem womöglich besseren Verständnis werden ja einige Selbstcharakterisierungen und Erläuterungen gegeben, die dieses „wir“ etwas eingrenzen.
    Der Sprecher dieser Wir-Gruppe, als wie groß und umfassend sie auch immer gemeint sein mag, sieht diese Gruppe, der er, ohne selber hier als Ich in Erscheinung zu treten, offenbar zugehört, in einem andauernden Zustand des Sich-Verirrens und des Sich-Verirrthabens. Der Ort dieser Irrfahrt, dieses In-die-Irregehens wird als ein „großer Müllhaufen“ bezeichnet. Wieder stellt sich – zusätzlich zur nahen Metapher „Kloake“ – eine ins Umfassendere gehende Assoziation ein: die vom „Müllplaneten Erde“, aber auch die vom „Schüdderump“ (Raabe) der Geschichte. Eine Parallelbenennung im Text selber gibt es außerdem noch: „ein Labyrinth aus Glas und Schlamm“. Darin habe sich die Wir-Gruppe, die hier – in erster Linie metaphorisch gemeint und wohl auch auf die Erkundungsversuche von Schriftstellern bezogen – mit „lateinamerikanischen Detektiven“ gleichgesetzt wird, verirrt. Aber noch mehr Synonyme zum Wir“ werden gebildet: Irrgänger, Mörder, Um-Verzeihung-Bittende, Manisch-Depressive, Traumfiguren im vom „Vater“ geträumten (großen? umfassenden?) Traum.
    Aber wieso „auf halber Strecke“? Auf welchem Weg, mit welchem Ziel? (Darf ich hier an Hölderlins Zweistrophengedicht „Hälfte des Lebens“ denken? Oder an den Anfang der „Divina Commedia“ Dantes?)
    Der „Vater“, so heißt es, habe einen grenzenlosen Traum gehabt (und träume ihn immer noch?) und „wir“ (die lateinamerikanischen Detektive und Schriftsteller? die ganze Menschheit?) hätten uns in diesem Traum verirrt, hätten uns „im Elend“ diese „utopischen (!, GFL) Traums“ „verloren“. „Vielfältig“ seien die „Stimmen“ des „Vaters“ und „vielfältig“ seine „Abgründe“. Die besonders enttäuschten, da zuvor manischen Utopisten nehmen in ihrer aus der Erfahrung des Verirrtseins (und zwar eines ausweglos erscheinenden) erwachsenen Depression den Zustand endgültigen Scheiterns bereits vorweg: Sie befinden sich innerlich bereits in einem „Saal der Hölle“, ohne äußerlich dort schon angelangt zu sein. Ist dieses paradoxe Bild „vom unbetretbaren Saal der Hölle“, in dem sie sich dennoch zugleich auch schon befinden, sofern sie sich „im Elend“ des „utopischen“ Vater“traums verloren“ haben, nicht bereits die Vorwegnahme dessen, was sich für RB unter der Chiffre „2666“ wohl verborgen haben mag. So will es mir jedenfalls scheinen, wohl wissend, dass ich dabei ganz meiner Intuition folge.

    Gleichviel. Die apokalyptischen, endzeitlichen Töne in diesem Text sind nicht zu überhören: „Sturm! Sturm!“ -

    PS.:
    Vielleicht wäre es ein guter Rat, den Text versuchsweise auch einmal als Bolaños Antwort auf Nietzsches Parabel- und Grundtext der Moderne „Der tolle Mensch“ zu lesen (darin: „wir haben ihn getötet“, „wir Mörder aller Mörder“) und vielleicht auch als dessen heutige Ergänzung.

  5. Marvin

    Lieber Günter, ich werde später aus deinen Notizen zum Spaziergang eine eigene Rubrik machen.

    Stört es eigentlich wen, dass in der aktuellen Diskussion mittlerweile so viel gescrollt werden muss? Ich würde die ältesten Kommentare dann löschen.

  6. Dietmar Hillebrandt

    Herr Landsberger sollte an dieser Stelle keinen Spaziergang machen. Einzelne “Notate” würde ich hier schon gar nicht besprechen. Ein wohlüberlegter herausgearbeiteter Beitrag zum “Spaziergang durch die Literatur”, gerne auch mit spanischem Originaltext verglichen und mit allen religiösen Implikationen. Aber hier dachte ich wäre dir Möglichkeit, kurze Hinweise oder aktuelle Mitteilungen abzugeben. Diesen einen Beitrag können wir dann ja 1000fach kommentieren.

  7. Andreas Gierth

    Die Kritik, die der letzte Kommentar von D. Hillebrandt impliziert, mag durchaus berechtigt sein. Den Ton, in dem sie geschrieben ist, finde ich völlig unangemessen. “sollte (…) keinen”, “schon gar nicht”, “wohlüberlegter (…) gerne”, das Fettgedruckte, die Ironie … Was soll das? Aber bitte meinen Beitrag jetzt nicht 1000fach kommentieren! :)

  8. Dietmar Hillebrandt

    Wissen Sie was mir nicht gefällt, Ihr oberlehrerhafter Ton! Ich habe für meine Verhältnisse versucht, mich dezent auszudrücken und dafür brauche ich nicht Ihre Zustimmung oder Ablehnung! Lernen Sie bitte, weniger empfindlich zu sein und sich zur Sache zu äußern.

  9. Günter Landsberger

    Ich hab den Beitrag hierhin platziert, damit ihn Marvin an eine andere Stelle setzen kann und ihn hier wieder löscht. (Und er hat es ja bereits so angekündigt.) Was soll’s?
    Von dort aus hätte ich das Ganze zusammenfassend schon weiter geführt. Und ganz knapp. Nur schien mir das Notat Nr. 2 für den ganzen “Spaziergang” exemplarisch zu sein.
    Natürlich kann ich mich irren. Aber ich habe ja jetzt (endlich!) in D. H. einen besonders kompetenten Vormund gefunden. Und bin ja schon ganz still.

    Lieber Herr Hildebrandt, hab ich mich beschwert, als Sie seinerzeit meine Übersetzung von RBs Gedicht “Entre las moscas” – kaum verändert – als ihre nun eigene herausgestellt hatten? Und beharrlich “moscas” (Fliegen) mit dem deutschen Wort “Mücken” übersetzt haben? Altklug kann ich selber sein.
    Und weil ich irgendwie nun doch schon wieder das Wort habe, nur noch folgender Hinweis: die lateinische Wendung im spanischen Notat Nr.5 wird in der deutschen Übersetzung falsch zitiert: “Nosotros, los NEC SPES NEC METUS.” (“Wir, die NEC SPE, NEC METUS.” heißt es da. / Wegen eines Druckfehlers oder Versehens fehlt das S in SPES / – Siehe da, sogar kleinlich kann ich sein.)
    Wie wäre jetzt zu übersetzen, lieber Herr Hildebrandt?
    “Wir, weder Hoffnung, noch Furcht”? Wir ohne Hoffnung und Furcht? Wir, die wir weder Hoffnung noch Furcht kennen? Passt das zum Schlussbild von “Amuleto”? Oder zur Danteschen Hölle? “Lasst alle Hoffnung fahren”. -
    Honny soit, qui mal y pense.

  10. Hillebrandt!

    @Landberger
    Ab jetzt schweige ich wie eine Mücke vor so viel Allwissenheit und schützen Sie ihre Übersetzungen mit einem Copyright, Sie haben nie verstanden, warum ich mit “Mücken” übersetzt habe. Ein Wörterbuch hilft Ihnen da auch nicht weiter! Allerdings meinen Nachnamen sollten sie nicht permanent falsch schreiben.

  11. Günter Landsberger

    Lieber Hillebrandt,
    ich entschuldige mich -
    für die ehrlich ungewollte Fehlschreibung.
    In den letzten beiden Wochen habe ich sogar gelegentlich meinen eigenen Namen falsch geschrieben. Mein PC hat gelegentlich gehakt. Und einige Buchstaben verschluckt.
    (Sie können das gerne nachprüfen.)
    Warum Sie inhaltlich bewusst “Mücken” geschrieben haben, ist mir schon klar. Ist ja auch legitim. Ist nur keine Übersetzung, sondern eine Neugestaltung; was auch legitim ist, nur dann vielleicht eben nicht als Übersetzung ausgegeben werden sollte. Gleichviel. (Ich hätte ja nie etwas dazu gesagt.)
    Und was soll dieser unnötige Kleinkram mit “Allwissend”?
    Seien Sie ganz sicher, ich weiß sehr genau, dass man – ganz allgemein – je mehr man weiß, auch erkennt, wie wenig man weiß. Dünkelhaft bin ich nie gewesen. Und ich kenne meine Grenzen sehr genau. Gerade deswegen freue ich mich über den gedanklichen Austausch hier – ohne Oberlehrerhaftigkeit und unter erwachsenen Menschen ohne ewig schülerhafte Ressentiments.
    Mein Ideal ist seit jeher nicht der Brotgelehrte, sondern sein Schillersches Gegenstück. –

    Nun bin ich gespannt, wenn man sich endlich wieder zur Sache selbst äußern wird, nachdem mein Beitrag von Marvin, wie angekündigt, an einer eigenen Stelle platziert worden ist. Wenn dann keine Äußerungen dazu kommen sollten, nehme ich es auch hin. Ich hatte nur gedacht, mein Beitrag könnte vielleicht einer sachlichen Diskussion förderlich sein, zumal Sie selber, lieber Herr Hillebrandt, kürzlich davon schrieben, dass Sie sich über RBs religiöse Einstellung noch kein klares Bild gemacht hätten.

  12. Günter Landsberger

    Vielen Dank, lieber Marvin, für die Platzierung meines “Spaziergang”-Begleittextes jetzt an einem eigenem Ort; so, wie Du es ja bereits angekündigt hattest. (Bei Bedarf könnte ich meinen Beitrag gerne zusammenfassend ergänzen.)

  13. Marvin Kleinemeier

    Wir sind in der Kategorie “Kunst und Literatur” für einen Besucher-Award nominiert. Bitte fleißig für uns abstimmen! http://www.besucher-award.de (Oben auf Abstimmungen gehen und dann links die Kategorie “Kunst/Literatur” auswählen)

  14. Andreas Gierth

    Ein Literaturtipp. Habe das Buch noch nicht gelesen. Habe es heute im Buchladen entdeckt. Und zwar “Der schwarze Palast” von Horacio Castellanos Moya. Bolano schreibt über ihn: “Castellanos Moya ist der einzige Schriftsteller meiner Generation, der weiß, wie man vom Terror erzählt. Gleich welcher Couleur, Nationalisten hassen ihn. Sein Humor ist so präzise wie eine Zeitbombe und bedroht die zerbrechliche Ruhe der Schwachsinnigen, die nach Lektüre seiner Bücher von dem unkontrollierbaren Drang gepackt werden, ihn vor dem Rathaus aufzuhängen. Ich kann mir keine größere Ehre für einen Schriftsteller vorstellen.” Bei Fischer erschienen.

  15. Andreas Gierth

    Keine 10 Tage mehr. Ich bin sehr gespannt auf unser gemeinsames Lesen und Kommentieren von “Chilenisches Nachtstück”. Immerhin hat Susan Sonntag von ihm gesagt: “‘Chilenisches Nachtstück’ gehört zu den ganz seltenen zeitgenössischen Büchern, die dazu bestimmt sind, einen festen Platz innerhalb der Weltliteratur einzunehmen.” Helfen wir ihm dabei ein bisschen. Ich freue mich auf interessante und spannende Beiträge.

  16. wolfgang

    Hallo,
    ich bin hier neu und momentan auf der Suche nach Aufsätzen, Links usw., die sich an die Decheffrierung der Anspielungen auf deutschen Autoren/Verleger etc des ersten und letzten Teils von 2666 gemacht haben. Ernst Jünger ist natürlich als allererste überhaupt erwähnter Autor als Vorbild für Archimboldi offensichtlich, auch wenn Pelletier später einen Aufsatz schrieb, an dem sich die Wege Jüngers und Archimboldis trennten. Ich meine auch Johnson (Porträt von Archimboldi als junger Mann), Dr. Unseld und diverse andere übliche Verdächtige wiederzuerkennenn.
    Danke Wolfgang

  17. Günter Landsberger

    Am 30. Mai 1994, heute genau vor 16 Jahren, starb in seinem Madrider Exil 84jährig der nicht hoch genug einzuschätzende, am 1. Juli 1909 in Montevideo geborene Schriftsteller Juan Carlos Onetti. Viele seiner Romane und Erzählungen (darunter – unter seinen vielen guten – auch sein bekanntester: “Das kurze Leben”) sind zunächst in Buenos Aires erschienen. Sein Leben lang lebte er vornehmlich in Montevideo, Buenos Aires und seit 1975 als Exilautor in Madrid.

  18. Günter Landsberger

    Tagung 59 Tagung 59

    Der andere Blick. Aspekte der argentinischen Gegenwartsliteratur

    02.07.2010 – 04.07.2010

    –:–

    Gegenwartsliteratur aus Argentinien, Gastland der Buchmesse
    Evita, Präsidentengattin und Musicalfigur; Diego Maradona und die grazile Form des Fußballs; Tango und Steaks; Buenos Aires und die Vielfalt eines der größten Kulturzentren Lateinamerikas – das sind für viele die ersten Assoziationen, wenn das Stichwort Argentinien fällt. In diesem Jahr feiert das Land 200 Jahre Unabhängigkeit von Spanien und ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Argentinien ist aber auch das Land mit einer der faszinierendsten, manchmal widersprüchlichen, immer überraschenden und innovativen Literaturen des ganzen Kontinentes. Es blickt auf eine lange literarische Tradition und international erfolgreiche Autoren wie Jorge Luis Borges, Julio Cortázar und Silvina Ocampo zurück. Fantastische Literatur und politisches Engagement gingen vor dem Hintergrund der vielen unterschiedlichen Kulturen, der Diktaturen und der eigenständigen Formen des Widerstands charakteristische Verbindungen ein. Das Leben der jüngeren Generation ist von diesen spannungsvollen Traditionen geprägt. Pablo Ramos beschreibt in seinem autobiografischen Roman „Der Ursprung der Traurigkeit“ humorvoll und mit scheinbar kindlicher Leichtigkeit den Weg eines Jugendlichen aus den Randbezirken von Buenos Aires mitten hinein in den Dschungel einer Gesellschaft, die kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen scheint. Laura Alcoba ist der fesselnde Bericht über das Leben in einer Diktatur aus der Perspektive einer Siebenjährigen gelungen. Das als Kaninchenfarm getarnte Elternhaus diente der Widerstandsbewegung in den 1970er Jahren als geheime Druckerei. Die Eigenheiten von Politik und Poesie in einem südamerikanischen Land werden so erschreckend und anrührend zugleich deutlich. Auch Marcelo Figueras geht in seinem Roman „Kamtschatka“ auf die Zeit nach dem Militärputsch von 1976 ein. Ein regimekritischer Anwalt taucht mit seiner Familie in einem abgelegenen Landhaus unter. Was für die Eltern bitter-gefährliche Überlebenstechnik ist, wird für die Kinder zu einem scheinbar grandiosen Abenteuer. Argentinien und die argentinische Literatur sind geprägt von einer Dynamik der Widersprüche. Die Auseinandersetzung mit den aktuellen Romanen ist aber nicht nur eine Einführung in das Land und unsere Beziehungen zu ihm, sondern auch eine Einführung in die Möglichkeiten der Poesie, das zur Sprache zu bringen, was sonst ungesagt bleiben würde. Die besondere Perspektive der Kinder und Jugendlichen macht deutlich, dass die Vergangenheit alles andere als vergangen ist. Diese Realitäten mit ihren Zwischentönen und ihrer Bedeutung für unsere Gegenwart will die Tagung aufspüren und vermitteln.

    mit Corry von Mayenburg, litprom, Frankfurt am Main; Dipl.-Bibl. Dörte Melzer, Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW), Bielefeld; Dr. Rüdiger Sareika, Evangelische Akademie Villigst

    Veranstaltungsort Evangelische Akademie Arnoldshain, Schmitten/Ts.

    Anmeldung und Information Ulrike Pietsch
    Iserlohner Str. 25
    58239 Schwerte
    Tel: 02304 755-325 02304 755-325
    Fax: 02304 755-369
    u.pietsch@kircheundgesellschaft.de

    Einzelzimmer m. Vollpension: 100,00 €/erm. 62,50 € Doppelzimmer m. Vollpension: 85,00 €/erm. 42,50 € ohne Übernachtung/Frühstück: 60,00 €/erm. 30,00 € zuzüglich Tagungsgebühr: 50,00 €/erm. 25,00 € Wir bitten, die Tagungskosten bei Ankunft zu begleichen. Sie können mit EC-Karte bezahlen. Die ermäßigten Preise gelten für SozialhilfeempfängerInnen, Arbeitslose, Wehr- und Zivildienstleistende sowie für SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildende bis zum Alter von 35 Jahren. Eine Ermäßigung kann nur bei Teilnahme an der gesamten Tagung gegen Vorlage einer entsprechenden Bescheinigung gewährt werden.

  19. Günter Landsberger

    Heute im Büchermarkt des Deutschlandfunk, bald wohl auch archiviert und damit online zugänglich:
    16:10 Uhr
    Büchermarkt

    Aus dem literarischen Leben
    - “Künstler der Schaufel.
    Erzählungen aus Kolyma 3″
    Zwei Zyklen über die Welt der
    sibirischen Lager des
    russischen Schriftstellers
    Warlam Schalamow

    “Asado Verbal” Junge
    argentinische Literatur

    “Die Wahrheit über die
    Zukunft”
    Erzählungen der
    jungen argentinischen Autorin
    Samanta Schweblin

  20. Marvin Kleinemeier

    @Alle Sehr wichtig: Ich habe eine Mail von Dietmar erhalten, der immernoch starke Probleme beim posten von Kommentaren hat. Geht es Euch auch so?

    Ich kann keinen Fehler finden, die Error Meldungen, die ich abrufen kann, haben nichts mit den Kommentaren zu tun. Genügend Webspace (erst 40% belegt) und Traffic (Wir benutzen gerade mal 5% des vorhandenen Traffics) sind vorhanden. Zudem sind wir mit der Seite bei Strato, einem eigentlich sehr bekannten und zuverlässigen Anbieter.

    Wer hat noch Probleme? Oder keine Probleme? Einfach ein paar Rückmeldungen wären sehr hilfreich!

  21. Günter Landsberger

    Keine technischen Probleme bei mir, nur Zeitprobleme im Moment.

  22. Marvin Kleinemeier

    Der letzte Kommentar sollte eigentlich unter Dietmars Namen veröffentlicht werden. Da er weiterhin Probleme mit der Veröffentlichung hat, habe ich ihn hochgestellt.

  23. Günter Landsberger

    Vielen Dank für den interessanten Link!

  24. Andreas Gierth

    Liebe Bolanisten,

    eine kurze Frage: Ich erinnere, dass wir hier schon einmal über den Campingplatz gesprochen haben, auf dem Bolano in Spanien seinerzeit als Wächter gearbeitet hat. Kann mir bitte jemand sagen, welcher das war?
    Danke, Andreas

  25. Marvin Kleinemeier

    In den nächsten zwei Stunden wird es zu Merkwürdigkeiten auf der Seite kommen, da ich auf argentinischen Monat umstelle…

  26. Günter Landsberger

    “Genug ist nie genug. Genug kann nie und nimmermehr genügen” … –
    Scherz beiseite. Es ist nicht zu viel und nicht zu wenig.
    Wir dürfen gespannt sein.
    (Mir fiele ggf. noch jemand ein, der sich als Übersetzer und Referent insbesondere im Bereich der argentinischen Lyrik recht gut auskennt.)

  27. Marvin Kleinemeier

    Den Beitrag zu Antonio Porchia wird es erst morgen geben… Es sind noch einige Kleinigkeiten meinerseits zu regeln. Aber: Man darf gespannt sein!

  28. Marvin Kleinemeier

    Jetzt wird es argentinisch! Start unseres Programms mit dem Artikel zu Antonio Porchia von seinen Übersetzern Juana und Tobias Borghardt. Viel Spaß und neue Anregungen!

    Herzlich,

    Euer Redaktions-Che

  29. Herbert Fraunhoffer

    Borges Pauls : Kehlmann Hoffmann
    Dario : Kafka
    Cortazar : Rilke
    Puig Saer : Tellkamp Goethe
    Piglia Hernandez : Brecht
    Martinez : T.Mann Schiller
    Sarmiento B. Cesares : Grass Heine

    Literatur-WM: 3. Juli 2010 ARG : GER

  30. Herbert Fraunhoffer

    Sorry, eigentlich sah das Bild oben wie ein Fussballfeld aus, wie die Mannschaftsaufstellung für das Spiel, wie es jetzt ist wirkt es nicht.
    Kannst Du das bitte löschen, Marvin?
    Danke!
    Gruß Herbert

  31. Günter Landsberger

    Mit Rilke und Kafka gibt es durchaus passend eine “böhmisch”-österreichische Komponente unter den deutschsprachigen Autoren!
    Aber warum Ödön von Horváth nicht aufgestellt wurde, nicht nur wegen seiner “Legende vom Fußballplatz”, und warum Peter Handke nicht, wegen seiner “Angst des Tormanns vor dem Elfmeter”, und warum Robert Menasse nicht, wegen seines einst in der Nationalmannschaft spielenden Vaters, weiß ich nicht. Nebenbei: Auch F.C.Delius (mein Jahrgang!) könnte sich beschweren; hat er doch so eindringlich an den “Sonntag” erinnert, “an dem ich Weltmeister” 1954 “wurde”.

  32. Herbert Fraunhoffer

    @Günter
    Tut mir leid, es war eine spontane “Aufstellung”, es waren die Namen, die mir zuerst eingefallen sind, ich habe vergessen an den Bezug zu denken und es wäre sicher besser gewesen, ich mich ließe mich vorher beraten ;-)
    Zum Glück gibt es ja Auswechselspieler ;-)

  33. Marvin Kleinemeier

    Heute schon einmal das Aira-Portrait. Die beiden Bücher kommen am Sonntag, inklusive einiger Verlosungen…

  34. Thorsten Krämer

    Marvin, vielleicht solltest du für die nächsten Tage noch einen dezenten Trauerflor in die argentinische Flagge einarbeiten… ;-))
    (Wenn wir hier schon über Fußball reden…)

  35. Günter Landsberger

    Ernst Bloch hatte vorsorglich keine Hoffnung ganz ohne Trauerflor gesehen.

  36. Marvin Kleinemeier

    Wer hätte gedacht, dass wir mit unserem argentinischen Monat Aufbauhilfe für ein am Boden liegendes Land leisten müssen? ;-)

  37. Günter Landsberger

    Geht es nur mir so, dass ich kein richtiges Ergebnis bekomme, wenn ich zu folgendem “Post” per Mausclick vorzustoßen versuche?
    02.07. César Aira Autorenportrait

  38. Der Buecherblogger

    Ich lande vom Fahrplan aus bei “Martín Fierro”, der “optimale Startpunkt” hat Verlinkungsfehler und ist nicht aktuell, aber Marvin ist ja auch nur ein Mensch…

  39. Marvin Kleinemeier

    Wird heut Abend alles behoben!

  40. Günter Landsberger

    Einem deutschen Jahrgangsgenossen von Roberto Bolaño, nämlich dem Schriftsteller Reinhard Jirgl, wurde heute der diesjährige Georg-Büchner-Preis zugesprochen. Gratulation!
    In den unter dem Titel “Schreiben – das ist meine Art, in der Welt zu sein” veröffentlichten “Gesprächen in Briefen mit Reinhard Jirgl” fand ich folgenden Passus: “Was das politische Eingreifenwollen per Schrift angeht, so wußte bereits Oscar Wilde, daß mit der Schreibfeder keine Revolution und mit einem Pflasterstein kein Buch zu schreiben sei. Und wenn Georg Büchner den “Hessischen Landboten” verfaßte, so hat er dies ausdrücklich nicht als Schriftsteller getan, der politisch einzugreifen gedachte, sondern als Bürger, der schreibend seine Meinung kundtun wollte. Das ist ein großer Unterschied.” (in: Reinhard Jirgl: “Land und Beute / Aufsätze aus den Jahren 1996 bis 2006″, München 2008, S.161)

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