“Zeichen der Erinnerung” ist im letzten Satz ein Zusatz (bestenfalls eine umschreibende Paraphrase) des deutschen Übersetzers.
Statt “Freude” steht im Spanischen “placer”, das wohl mit “Lust” oder “Vergnügen” übersetzbar wäre. Der Übersetzer von Berenberg übersetzt “placer” wie das altgriechische “hedoné” – ,das mit Lust oder Freude übersetzt werden kann, aber in unterschwelliger bis bewusster Verbindung mit lustfeindlichen Traditionen meistens mit dem Wort “Lust” ins Deutsche übersetzt worden ist, – hier mit dem Wort “Freude”. Vom spanischen Original aus in Verbindung mit der gewählten deutschen Übersetzung bekommt das Wort “Freude” hier einen deutlich hedonistischen bzw. epikur(ä)ischen Unterton.

“Sehnsucht” nun (vgl. den vorletzten Satz von “Amuleto”) hält etwas Abwesendes anwesend. In der Sehnsucht wird nicht nur etwas vermisst und als abwesend beklagt, in der Sehnsucht ist jeweils das schmerzhaft als abwesend Empfundene als bewusst Abwesendes ganz präsent.
Nur: im spanischen Original steht nicht das im Spanischen gebräuchliche Wort für Sehnsucht, sondern das Wort “deseo”, das meistens mit den Wörtern “Wunsch”, “Verlangen” oder “Drang” ins Deutsche übersetzt wird.
“deseo” und “placer” sind (hoch geschätzte) Ausdrucksqualitäten des Liedes, auf welchem am Schluss der Akzent liegt; “deseo” und “placer” werden vor aller Reife, zu der es ja in der fraglichen lateinamerikanischen Generation nicht kommt oder nie mehr gekommen ist, schon den Kindern zugeschrieben; “deseo” und “placer” wären aber auch noch typische Kennzeichen eines zur Reife gelangten, nicht vor Zeiten zu Grunde gerichteten Lebens. Daran wird bis zuletzt hoffnungsvoll festgehalten.