Verbotenes Wissen

Verbotenes Wissen

Erneut bekommt Urrutia Besuch von Furcht und Hass. Die beiden nehmen ihn ziemlich in die Mangel; sehr schnell hat er den Eindruck, dass es bei ihren Fragen keine richtigen Antworten gibt. Nach einigem Lavieren kommt schließlich heraus, dass ihre Fragen zu seinen Marxismuskenntnissen darauf abzielen, dass sie einen Privatlehrer für Pinochet und seine Vertrauten suchen. Eine Aufgabe, die ungleich heikler ist als ihr vorheriger Auftrag. Der Aussicht, mit der obersten Macht in Chile in Kontakt zu kommen, kann Urrutia allerdings genauso wenig widerstehen wie zuvor der Aussicht auf eine Kirchentour durch Europa.

Ein Geistlicher erhält durch den Marxismus Zugang zu den höchsten Kreisen eines Militär-Regimes: ein perverses Setting, dessen Pointe darin besteht, dass diese Verkehrung der politischen und weltanschaulichen Verhältnisse wiederum auf eine analoge Verkehrung der moralischen Verhältnisse verweist; der Schlüsselsatz in beiden Fällen könnte lauten: Sie alle tun es. (Und auch für Pinochet und den Marxismus gilt, wie sich im weiteren Verlauf noch zeigen wird: Und alle wissen es.)

3 Responses to “Verbotenes Wissen”

  1. Thorsten Krämer

    Lieber Marvin,
    die Texte waren eigentlich als jeweils eigenständige Beiträge gedacht! Kannst du das bitte noch ändern – auch wenn’s gerade bei dir mit dem Internet nicht so klappt…
    In dieser Form verlieren sich die einzelnen Ideen zu sehr und auch mit der Bezugnahme beim Kommentieren ist es dann so eine Sache.
    Danke!

  2. Günter Landsberger

    Auch auf den Opportunismus anderer Schriftsteller (wohl auch zur Selbstrechtfertigung) verweist Urrutia Lacroix gelegentlich wie nebenbei hin: Je nach wechselnden Machtverhältnissen sind es andere, mal „katholische“ (S.101f.), zumal nach „Allendes Triumph“ (S.100), und in gegenteiligen geschichtlich-politischen Zeiten sind es „sogar die in der Kommunistischen Partei Chiles organisierten Dichter“, die angeblich „ihr Leben für eine Rezension von“ „Priester Ibacaches Hand“ „gegeben hätten“. (S.73)

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