Sonne, Licht, berstende Fenster

Lumpenroman I

Die Ich-Erzählerin Bianca erinnert sich, sie blickt zurück, in eine noch nicht weit entfernte Vergangenheit. Schon der Anfangssatz verrät ihre Läuterung von der Kriminellen zur Ehefrau und Mutter: „Jetzt bin ich Mutter und auch eine verheiratete Frau, aber vor gar nicht langer Zeit war ich eine Kriminelle.“ Damit wird das Ende ihrer Geschichte am Anfang schon aufgezeigt, es werden Erwartungen geweckt, diese Laufbahn will verfolgt sein, der Weg in und aus der Kriminalität.

Sie und ihr Bruder, beides noch Schüler, haben ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, während deren erstem Urlaub zu zweit  und anfangs scheint es, als ob sie die Erzieherrolle für ihn einnimmt. Zum ersten Mal wurden die Geschwister von den Eltern allein gelassen, alleingelassen fühlt sich die Erzählerin aber schon immer. Sehr schnell müssen sie erwachsen werden, sie benehmen sich so, wie sie sich das Erwachsenenleben vorstellen, ohne Schule , dafür mit viel Fernsehen und Rumgammeln. Ihre finanzielle Lage treibt sie bald zur Arbeitssuche und somit ins reale Leben. Die Träume der Geschwister über ihre Zukunft gehen weit auseinander, während sie vom Friseursalon träumt, soll es bei ihm schon ein Mister-Titel sein, am liebsten der des Mister Universum. Während die Schwester bodenständig bleibt und zweideutige Angebote ablehnt, möchte der Bruder berühmt werden.

Schon hier im ersten Kapitel sehe ich Anzeichen für die Wahl Bolaños für das vorangestellte Motto: „(…)Die Leute, die das Unbestimmte verlassen, um zu versuchen, irgendetwas von dem, was in ihrem Geist vorgeht, zu präzisieren, sind Schweine.(…)“, Bianca legt sich nicht fest, sie bleibt unbestimmt was den Augenblick der von ihr empfundenen Veränderung in ihrem Leben, aber auch was ihre Gedanken betrifft, wenn sie feststellt, dass sie zwar nachdenkt, aber nicht an die Zukunft, ihre Gedanken reichen „nirgendwohin“.

Der Tod der Eltern bringt das Licht, Helligkeit, es gibt keine Nacht mehr. Diese Helligkeit ist aber keine positive, gute, sondern ist eher negativ behaftet, „Sonne, Licht, berstende Fenster“.

Beim Lesen des ersten Kapitels kam mir der Gedanke an Hänsel und Gretel. Dieses Motiv der verstossenen Kinder wird durch die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite noch bestärkt, der Schatz des Maciste, als Schatz der Hexe? Werden sie ihn finden? Wie kommen sie aus der Geschicht, dem Wald wieder zurück, gibt es ein Happy End? Ich werde das im weiteren Verlauf des Buches verfolgen.

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