Telefongespräche

LESEN UND LESEN LASSEN

„Telefongespräche“ lautet der Titel der kürzesten Erzählung der gleichnamigen Unterabteilung des gleichnamigen Erzählungsbandes. Sie ist eine von zwei Erzählungen dieser (im Original 1997 erschienenen) Sammlung, bei denen der Autor den Protagonisten als Namen lediglich Anfangsbuchstaben zugesteht. Man könnte auf den ersten Blick meinen, es handele sich hier nur um die Skizze zu einer Erzählung oder um eine Art rudimentäres Drehbuch. Ein zweiter Blick erkennt Details, die über Skizzen hinausgehen, die dem Erzählungsgerippe zwar kein narratives Fleisch auf die Knochen helfen, aber ihm so etwas wie Geheimnis oder Seele einhauchen: Wie oft bei Bolaño übernehmen (Alp)Träume diese Funktion – hier zwei Träume des männlichen Protagonisten. Und ein dritter Blick schließlich wird der Erzählerstimme gewahr, die sich nicht nur schrankenlos auktorial gebärdet, sondern wie das Objektiv einer Filmkamera völlige Kontrolle über Bildausschnitt und Tiefenschärfe besitzt. Ein interaktives Kameraobjektiv, das sendet und empfängt: Das menschliche Episoden oder ganze Lebensläufe in narrative Roadmovies verwandelt, und zwar durch uns hindurch. Wir sind der Resonanzkörper, die Leinwand; der Film läuft in uns ab. Bolaños Erzählungen (und Romane) sind nur so gut, wie wir uns lesen und lesen lassen.

Christian Hansen, geboren 1962 in Köln, gelernter und wieder verlernter Literaturwissenschaftler, lebt seit 1984 mit kurzen Unterbrechungen in Berlin, übersetzt seit 1996 aus dem Französischen und vor allem Spanischen, hat Bücher von Lascano Tegui, Amin Maalouf, González Suárez, Sergio Pitol, Guillermo Rosales, Antonio Orejudo und Roberto Bolaño übersetzt und war an Übersetzungen von Juan Goytisolo, Gabriel García Márquez, Rafael Chirbes und José Pablo Feinmann beteiligt. Stipendiat der Berliner Übersetzerwerkstatt, des Deutschen Übersetzerfonds und des Deutschen Literaturfonds.

29 Responses to “Telefongespräche”

  1. Thorsten Wiesmann

    Die Rhetorik, in die die westliche Literatur gefangen war bzw. ist (und gegen die Flaubert als erster versuchte anzustürmen auf seine Weise) stammt von den Griechen, die Gedanken innerhalb einer linear Struktur kodierten. Heraus kam etwas, in das momentan viele Menschen verstrickt sind und welches man das westliche Denken nennen könnte. Die Chinesen etwa denken hingegen meist nicht linear, sondern in Intervallen. Dieses Denken in Intervallen entspricht mehr einer interaktiven Prosa, so wie sie hier Christian Hansen im Ansatz begonnen hat zu beschreiben.

    Die interaktive Prosa fördert nicht mehr so sehr unser reines Verstandes-Denken, sondern ein Denken in komplexen, ganzheitlichen Zusammenhängen. Ein Denken innerhalb sich entwickelnder Situationen, im Sinne eines größeren Musters, von dem wir alle nur Teile sind.

    In der westlichen Musik war es übrigens Debussy gegeben die Rhetorik zu überwinden. Er hat damit eine Revolution in Gang gesetzt. Vor ihm trug die musikalische Figur zur Bedeutung bei. (In der Rhetorik sprach man in diesem Zusammenhang von solchen Sachen wie Lautmalerei.)
    Womit wir auch endlich zur Lyrik kämen: Verlain begann zeitgleich mit Debussy die Harmonie von den loszulösen, was sie zu imitieren vorgab. Er hat damit begonnen zwei parallele Diskurse zu bilden, die sich völlig unabhängig voneinander entfalten: Den Klang und den Sinn. Verlain hat, wie Jacques Drillon mal sagte, die Gelenke der Dichtkunst ausgerenkt und es den Gliedern überlassen, neue Körper zu bilden.

  2. Dietmar Hillebrandt

    Sie haben in allem recht, aber bedauernswerterweise zu wenig Zeit.
    So kurz wie die Erzählung ist, ist auch Ihr Beitrag. Die beiden Träume handeln von einem „Schneemann, der durch die Wüste läuft“.
    Nach meiner bescheidenen Meinung eine Metapher für den tapfer Verliebten oder den tapferen Schriftsteller, sei er nun ein kommerzieller in Wettbewerben (Sensini), ein schlechter Literat, der im politischen Widerstand arbeitet (Henri Simon Leprince) oder ein psychisch kranker Lyriker (Enrique Martin) oder ein an Konkurrenz und Verfolgungswahn leidender (Ein literarisches Abenteuer). Interessant wär, zu erörtern inwieweit sich der filmische Blick des Autors von dem eines Drehbuchautors unterscheidet. aber das führt zu weit.
    Bei dieser Gelegenheit ein paar pedantische Fragen an den Übersetzer:
    1. „Enrique Martin“ S. 40 unten „Ich war damals zweiundzwanzig“ „En aquella época yo tenia veinticinco“ (25). Bolano scheint mir eine Affinität zur Zahl 5 zu haben. Schreibfehler?
    2. „2666“ S. 97 unten „Kaustisch“, müßte das nicht „kasuistisch“ heißen?
    3. „2666“ S. 99 unten „Solana“, müßte das nicht „Solanas“ heißen?
    Wie geht ein Übersetzer mit Fehlern im Originaltext um, korrigieren oder nicht?
    Ein sich selbst lesender Resonanzkörper bedankt sich.

  3. Günter Landsberger

    Reizvoll an RBs kurzer Erzählung „Telefongespräche“ war für mich auch die dadurch in Gang gesetzte Rückerinnerung an unterschiedlich umfangreiche, ganz anders geartete Texte anderer Autoren mit einer erkennbar ähnlichen Namensverknappung durch Buchstabenkürzel wie etwa: Kafkas Kurzerzählung „Ein alltäglicher Heroismus“ (früher vor Entdeckung eines Übertragungsfehlers bekannt unter dem Titel „Eine alltägliche Verwirrung“), sowie das anstößige Gespräch über Lessings „Ringfabel“ (sic!) zwischen A und B bei Günter Anders in seinen „Ketzereien“ und -buchstabenmäßig etwas ausgeweiteter – Ödön von Horváths Roman „Jugend ohne Gott“; vielleicht könnte man auch noch Robert Musils „Die Amsel“ hier vergleichend einbeziehen.

  4. Günter Landsberger

    Blitzeinfall:
    Hat sich hier der Autor RB als Erzähler Arturo Belano (AB) gesprächsweise in A und B aufgespalten, um sich übergreifend wieder mit sich selber in A+B zu vereinen?
    (Wäre das nicht fast schon als eine dialektische Struktur zu sehen, weit eher als eine bloß von Rhetorik geprägte?)

    „Ich ist ein Anderer“ (Rimbaud) –
    Was ist Liebe? Was ist Freundschaft?
    Laut Hegel: „das Bei-sich-selbst-Sein im Anderen“.

  5. Günter Landsberger

    Pardon. Meine beiden letzten Kommentare beziehen sich mehr noch auf die Erzählung „Ein literarisches Abenteuer“, in der die Personen A und B (zwei Schriftsteller) wichtig sind, während sich in der Kurzerzählung „Telefongespräche“ zu den Hauptfiguren B (männlich) und X (weiblich) im weiteren Verlauf A und Z (zwei Polizisten) gesellen.
    Und: weil ich, pardon, schon wieder das Wort ergriffen habe, sei auch dies noch gesagt: noch andere AB-Texte fallen mir ein, auch philosophische, wie z. B. der Text „Widersprüche“ aus Horkheimer/Adornos berühmtem Buch „The Eclipse of Reason“ („Dialektik der Aufklärung“).

  6. Andreas Gierth

    Ich bitte um Nachsicht, aber mich haben die „Telefongespräche“ nicht losgelassen:

    Gerade habe ich „Telefongespräche“ gelesen und bin mehr als angetan von dieser Erzählung. Dass der „Schneemann“ ein Bild des „Verliebten“ (D. Hillebrandt), des „tapferen Schriftstellers“ sei, ist auch meine Meinung. B. träumt von sich, löst im Traum, ohne es im Wachen reflektieren zu können, das Geheimnis seines Verhältnisses zu X.

    Schade, dass C. Hansen seinem „zweiten Blick“ – der „erkennt Details, die (…)dem Erzählungsgerippe etwas wie Geheimnis oder Seele einhauchen – nicht nachgegangen ist oder nachgehen konnte. Ja, die Zeit. Seufz!

    Trotzdem interessiert mich aber genau das, was ein solcher Blick zum Vorschein bringen kann. Ich habe mich z. B. gefragt, ob „Telefongespräche“ etwas Übegreifendes als Geheimnis birgt, da sein Titel ja auch gleichzeitig der der ganzen Sammlung der Erzählungen ist. Sicher hat, wenn er es denn war, Bolano den Titel für die Sammlung bewusst gewählt. Und da bin ich wieder bei dem Gedanken, dass der „Schneeman“ ein Traumbild des „Verliebten“ und sogenannten „tapferen Schriftstellers“ ist. Obwohl, erinnere ich das richtig, gar nicht gesagt wird, dass B. Schriftsteller ist? Macht aber nichts. Ich glaube, dass das die Erzählungen Übergreifende eine Aussage über das Leben eines Schriftstellers überhaupt ist. Und zwar steckt die Aussage meines Erachtens in einem Satz des Erzählers von „Telefongespräche“ über B.: „Aber ist er in X verliebt oder in die Vorstellung verliebt zu sein?“ Ich sage einfach mal: B. lebt – mindestens mit Blick auf X – nicht sein Leben, sondern seine Vorstellung von seinem Leben.

    Und dann träumt er diesen Traum: „Als er endlich doch einschläft, träumt er von einem Schneemann, der durch die Wüste läuft. Der Weg des Schneemanns ist eine Gratwanderung, führt womöglich in die Katastrophe. Aber der Schneemann will davon nichts wissen, und seine Schläue verwandelt sich in Willenskraft“. Wenn man seine Vorstellung vom Leben lebt anstatt sein Leben, dann ist das als würde man wie ein ‚Schneemann durch die Wüste laufen‘. Als Schriftsteller ist man in besonderer Weise in der Gefahr einer solchen „Gratwanderung“. Man kann abstürzen und sich selbst zum Verschwinden – oder sollte ich sagen Schmelzen? – bringen. Wenn – siehe zweiter Traum – die „Wüste (und das) Gesicht von X (…) beides dasselbe ist“, dann bringt sich B. bei seiner Gratwanderung im Angesicht von X zum Verschwinden. Nachdem er ihr seinen ersten Traum erzählt hat,will sie nichts mehr von ihm wissen. Sie erkennt, dass er nicht in sie, sondern in seine Vorstellung vom Verliebtsein verliebt ist. Und er? Er reagiert wie der Schneemann. Den Schneemann kann seine Gratwanderung in die Katastrophe führen. Er will aber davon nichts wissen. Seine Schläue verwandelt sich in Willenskraft. So nach dem Motto: Jetzt erst recht. Und B.? Er will auch nichts von einer möglichen Katastrophe wissen. Und „B. ist fassungslos“, dass X nichts mehr von ihm wissen will. B. nutzt seine Willenkraft, um seine Vorstellung vom Leben als sogenanntes wirkliches Leben zu erzwingen. (Das Leben ist so oder soll so sein, wie ich es mir vorstelle.) Aber das lässt das Leben nicht mit sich machen. Es schlägt, wenn man so will, fürchterlich und in seiner ganzen Banalität zurück. X. wird B. entzogen, indem sie umgebracht wird. So ist das Leben.

    Gruß, A. Gierth

  7. Günter Landsberger

    Wenn auch ich noch einmal von den Traumbildern der Erzählung ausgehe, so habe auch ich mich an die beiden mitgeteilten Träume zu halten, kann aber nicht ganz vergessen, dass auch noch ein dritter Traum B’s (genauer eine ganze Traumreihe) aus der Nacht nach dem Gespräch mit dem (im Text namenlos, auch kürzellos namenlos gelassenen) Bruder von X auf Seite 74 angedeutet wird, ein Traum, in dem 1.) „wie nicht anders zu erwarten“ „X“ „auftaucht“ und in dem 2.) der aus seinen „Träumen“ Erwachte das „Gesicht“ des Mörders von X (welches denn?) gesehen zu haben glaubt.
    Auch im zweiten mitgeteilten Traum (S.73) war bereits ein „Gesicht“ aufgetaucht; es war hier das „Gesicht von X“.
    Zwei Trauminhalte werden zunächst unterschieden (in Form einer Abfolge verschiedener Träume ein und derselben Nacht oder innerhalb eines einzigen Traums?): a) Traum „von einer Wüste“, b) Traum „von dem Gesicht von X“. Wie jeweils am Schluss der Minierzählungen von den anderen beiden Traumnächten (S.71 und S.74) wird auch hier (S.73) die Phase des Erwachens, als einer markanten Übergangsphase zwischen Nachttraum und Tagesbewusstsein, hervorgehoben: subjektiv sehr selbstsicher (zu selbstsicher?) mit (zu?) großer Gewissheit heißt es hier: „wird ihm klar“ (S.73), während es auf Seite 71 ebenfalls bezeichnend hieß: „Als er erwacht, (…), glaubt (!) er den Sinn des Traums zu verstehen“ mit der sofort nachgelieferten Einschränkung in der Klammer „(wenn er denn einen hatte)“. Nebenbei: Aus welcher Perspektive erfolgt denn diese rasch wieder in Frage stellende Einschränkung? Spricht hier nur der auktoriale Erzähler? Oder wird auch die Perspektive B’s in Form einer dann als gemischte zu wertenden Reaktion wiedergegeben?
    Ähnlich strukturiert heißt es mit Blick auf den dritten Traummitteilungsbezirk der Erzählung auf S.74, wiederum am Ende einer prägnanten Abfolge a) Nachttraum + b) sich anschließende Reflexion und Versuch (!) einer Deutung: „Beim Erwachen glaubt“ (!, GFL) „er zu wissen“.
    Dieses dreimal wiederkehrende Deutungsmuster müsste uns stutzig machen. Es gemahnt uns bei unseren Deutungsversuchen zur Vorsicht. Den in der Erzählung selber gegebenen Deutungen ist nicht ganz zu trauen; es könnte sich – sagt der Gestus der Erzählung selber – um bloße Rationalisierungen handeln.
    Halten wir uns also immer wieder neu an die Bilder, auch wenn wir wissen, spüren, dass sie nach Deutung verlangen, nach ihr geradezu rufen.

  8. Günter Landsberger

    Noch ein Wort zur Metaphorik des 1. und 2. Traums.
    Die Traumvorstellung „von einem Schneemann, der durch die Wüste läuft“, wirkt in sich schon absurd. Gleich mehrere unserer Realerfahrungen werden hier Lügen gestraft: a) Was hat ein Schneemann in der Wüste zu suchen, noch dazu, wenn es sich bei dieser Wüste – wie gelegentlich bei Friedrich Nietzsche oder der Schubertschen „Winterwanderung“ – wohl nicht von vornherein um eine Eis- oder Schneewüste handeln soll? b) Seit wann kann ein Schneemann laufen oder auch nur gehen, so standfest, wie ein solcher doch gemeinhin ist? Vor allem bei geeigneten Temperaturen?
    Immerhin jedoch wird diese von der Verstandeswertung (nicht von der Traumlogik) her absurde Traumrealität ( c) ) im Traum selbst durch einen Schuss empirischen Realitätsinns abgemildert. Der Schneemann als Mensch ist „schlau“ genug, sich nicht den höheren Tagestemperaturen auszusetzen; er geht des Nachts unter einem Himmel „eisiger Sterne“.
    Das Aussichtslose, das Absurde des Unterfangens des Schneemanns bleibt dennoch offensichtlich. Es ist mehr als fraglich, ob er sein Ziel jemals erreicht, ja es überhaupt erreichen kann. Und dennoch macht er sich auf seinen Weg. (Hier spüre ich eine Verwandtschaft mit Albert Camus und seiner Auffassung vom Sysiphus-Mythos und frage mich alsbald, ob RB an irgendeiner Stelle seines Werkes gedanklich darüber hinausgeht.)

    Die Wiedergabe des 2. Traums ist noch knapper gehalten als die des ersten. Umso stärker noch fällt hierdurch die Aufteilung in einzelne Schritte auf. Ein Teil des Traums ist der Traum „von einer Wüste“ („e i n e r Wüste“, nicht mehr „d e r Wüste“; also unbestimmt, nicht mehr bestimmt); ein zweiter Traumteil ist ein Traum „von dem Gesicht der X“.
    (Wir erinnern uns hier vielleicht auch noch an den in der Erzählung zwischen den beiden Träumen stehenden Satz: „ich ertrage diese Telefonanrufe nicht länger, ich will dir ins Gesicht sehen, wenn ich mit dir rede.“ / S.72)
    Erst kurz vor dem Erwachen des Träumenden wird das zunächst voneinander Getrennte, „eine Wüste“ und „das Gesicht der X“, in behaupteter Klarheit der Schlussfolgerung subjektiv als miteinander identisch betrachtet.

    Wenn wir als Menschen v e r s t e h e n wollen, sind wir dann immer gehalten zu d e u t e n ? Gibt es treffende, evident überzeugende Deutungen? Oder laufen im Sinne RBs alle Deutungen Gefahr, möglicherweise doch nur Sinngebungen des Sinnlosen zu sein?
    Die letzten Fragen sind immer nah. Ähnlich wie die nächsten und naheliegendsten. Doch: Wahrheit ist keine einstreichbare Münze.
    Immerhin: Erzählen bietet mehr als bloßes Zählen.

  9. Dietmar Hillebrandt

    Zu Traum 1 (Schneemann, Wüste) Telefongespräche S. 71,
    Roberto Bolano im Interview, Playboy vom 9. Juli 2003,
    „Exil im Niemansland“ „Stern in der Ferne“ S. 144

    Playboy: Waren Sie schon mal mitten in der Wüste?

    BOLAÑO: Ja, einmal, und zwar an der Hand meiner Großmutter.
    Die alte Dame war unermüdlich, ich hingegen hätte gedacht, dass wir da nie mehr rauskommen.

    zu Traum 2 (Wüste, Gesicht)Telefongespräche S. 73

    „…, er hat sich in der Wüste verirrt (S. 73)
    (also in dem Gesicht, seiner Beziehung zu X?)

    Playboy: Schließen Sie die Augen. An welche lateinamerikanische Landschaft, die Sie kennen, erinnern Sie sich?

    BOLAÑO: Der Lastwagen meines Vaters bei einer Panne mitten in der Wüste.

    zu Traum 3 (Mörder, Gesicht), er zeigt dem Erzähler dann das Gesicht des Mörders, den er gar nicht kennt. Ein ehemaliger Geliebter von X, der X mit anonymen Anrufen belästigte (S. 74),
    leider ohne Metapher!

  10. Dietmar Hillebrandt

    Sehr geehrter Herr Landsberger,
    ich schreibe, der Traum zeigt ihm das Gesicht des Mörders und Sie reden von Gesichtslosigkeit. „Er hat sein Gesicht gesehen“. (S. 74), heißt es wörtlich, allerdings nur im Traum, womit es wahrscheinlich nicht das Gesicht des wirklichen Mörders ist, sondern nur ein Traumbild. Und damit will ich es bei dieser Rechthaberei genug sein lassen. Von einer Metapher im literarischen Sinne, nämlich eine sprachlichen, kann bei dieser Textstelle nicht die Rede sein.

  11. Günter Landsberger

    Sehr geehrter Herr Hillebrandt,
    ich wollte meinerseits gar nicht rechthaberisch sein. aber Sie scheinen nicht verstanden zu haben, was ich – zugegeben: in aller Kürze – gemeint habe. Da bin ich einmal kurz und nicht redselig und schon gerate ich in Verdacht nicht zu wissen, was eine Metapher ist.
    Also: Das Gesicht des Mörders wird zwar im Traum als Traumbild gesehen. Aber es bleibt gesichtslos; weil nicht mitgeteilt wird, wie es aussieht, und auch später keine Zuordnung zu etwas sichtbar Gemachtem erfolgt. Worauf ich hinweise, ist demnach das Paradoxe, dass zwar gesagt wird, dass das Gesicht des Mörders gesehen wird, dass es aber für uns als Leser… gesichtslos bleibt. Dieser Umstand bleibt in mir als wachem Leser haften. Von da her, auf gedanklich vermitteltem Umweg also, wird dann das gesichtslos gebliebene Gesicht für mich zu einem sprechenden Zeichen und damit Gesichtslosigkeit zu einer Metapher gleichsam aus der Lücke der verschwiegenen Verborgenheit der Leerstelle heraus. Ob man das nun Metapher oder Metonymie oder vorenthalten erschließbare Metaphorik nennt, ist mir dabei persönlich ganz egal.
    Nur auf die Paradoxie des leeren Spiegels, auf die auffällig verbliebene Gesichtslosigkeit des gesehenen Gesichtes kam es mir an. Es gibt hier kein individuell unverwechselbares Gesicht! Hätte nicht jeder frühere Geliebte der X der Mörder sein können? Und war nicht auch B ein früherer Geliebter der X? Und ist nicht vielleicht auch in der Ermordung der Z ihr früher gescheiterter, weil im Vorfeld noch therapeutisch vereitelter Selbstmordversuch (S.71) indirekt vollendet? Tun sich da nicht zwischen den Zeilen Abgründe auf?
    Und wie steht es mit der Liebe, der Verliebtheit Bs in X? Es lohnt sich alle Zeilen der Erzählung daraufhin recht aufmerksam zu lesen.
    Zum Beispiel:
    Als handelte es sich bei B um eine literarische Figur wie etwa Julien Sorel aus Stendhals „Rot und Schwarz“ wird auf Seite 70/71 zweifelnd gefragt: „Aber ist er in X verliebt oder in die Vorstellung, verliebt zu sein?“ (Nebenbei gefragt: Wie wichtig ist auch dabei – in Verliebtheit oder nur vermeintlicher Liebe – die Unverwechselbarkeit der Person?)

    Ich könnte jetzt noch viel mehr dazu schreiben. Aber ich hatte mich ja bewusst kurz gefasst mit meiner all dies mitmeinenden provokanten Kurzaussage: „Gesichtslosigkeit ist auch eine Metapher.“ und frage jetzt: Welche Figuren dieser Erzählung bleiben nicht gesichtslos? Sind Geliebter und Geliebte, Mörder und Mordopfer unverwechselbar und nicht auswechselbar?
    Was bedeutet es, dass nur der Bruder der X selber kein Buchstabenkürzel zugeordnet bekommt? Oder ist er auch als „Bruder“ immer noch mehr Typus als Individuum?

  12. Günter Landsberger

    Hier noch ein zufälliger Fund eines ergänzenden Textes zur Schneemannsmetapher:

    Judith Herzberg

    Dinge
    Aus dem Niederländischen von Ulrike Schwabe

    UND OB ES HIER GESCHNEIT HAT

    Erster Schnee. Ja, der erste Schnee,
    doch wer hat Augen für den letzten,
    den letzten Schneemann, das Schmelzen
    seiner Füße, wer sieht es?

    So geht es auch mit Schmerz.
    Man fühlt den unbarmherzigen
    Beginn, doch das Verschwinden
    schließt man aus dem Verschwundensein.

    Was Christoph Meckel der Poesie von Judith Herzberg attestierte – »In ihr ist alles da und fest verschmolzen: Spiel, Ironie und Schmerz, Zartheit und Härte, Unerbittlichkeit, Kritik und Charme, Sehnsucht, Verzweiflung und Protest, Skepsis, Naivität und genaues Denken, gewöhnliche Erfahrung und reine Vision und schließlich, was man Das Politische nennt« –, wird in dem zweisprachigen Auswahlband mit neueren Gedichten der Autorin so eindrücklich wie überzeugend bestätigt.

    Judith Herzberg wurde 1934 in Amsterdam geboren. Während der deutschen Okkupation lebte sie in Verstecken bei verschiedenen Familien, ihre Eltern überlebten die Deportation nach Bergen-Belsen. Seit 1963 hat sie zehn Gedichtbände veröffentlicht, Theaterstücke (u.a. Leas Hochzeit, Heftgarn, Und/Oder und Tohuwabohu) und Drehbücher für Film und Fernsehen verfasst und Werke von Ernst Jandl, Strindberg, Euripides u.a. übersetzt.

    Judith Herzberg gilt heute als eine der herausragendsten Dichterpersönlichkeiten der Niederlande, ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, ihre Bücher erschienen sämtlich in mehreren Auflagen. Auf Deutsch liegen vor: Zwischen Eiszeiten (Straelener Manuskripte, 1984), Tagesreste (Agora Verlag, 1986) und Knistern (Friedenauer Presse, 1993).

    Vgl. http://www.korrespondenzen.at/Vidmar.html

  13. Christian Hansen

    Einige nachgereichte Kommentare.
    Ich war nicht aus Zeitnot knapp mit meiner Einleitung, das war schon Absicht so. Vielleicht habe ich ja nicht verstanden, was mit der Patenschaft für die einzelnen Erzählungen intendiert war. Ich dachte, dass schon jeder selbst lesen soll und der „Pate“ die Lektüre nur vorbereitet, Strukturen aufzeigt bzw. ein paar allgemeine poetologische Beobachtungen anstellt, die den Blick schärfen. Es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, andere Leser mit Inhaltsangaben und kleinteiligen Interpretationen zu bevormunden. Mir gefällt es außerdem, wenn
    unterm Strich die Erzählung nicht „gelöst“ wurde, sondern viele Gedanken und neue Geschichten zeugt. Da wollte ich nicht vorlaut sein.
    Und dann zu den Fehlern (zT stammen sie aus 2666), die Herr Hillebrandt gefunden hat. Also ich bin sehr dankbar, wenn ich Tipp- und Druckfehler genannt bekomme, ich werde versuchen, für eine nächste Auflage für Richtigstellung zu sorgen, ist doch klar.
    Dann die Frage nach Fehlern im Original, und wie man damit umgeht. Ein Patentrezept gibt es nicht. Es gibt einige Ungereimtheiten in 2666, zB ist das Auto von Juan de Dios mal blau, dann rot, wenn ich mich recht entsinne. Und Klaus Haas soll mal in Bielfeld geboren sein, mal in Paderborn. Hier ist aber nicht ausgeschlossen, dass es sich nicht um ein Versehen, sondern um Absicht handelt. Ich habe mW nur offensichtliche Tippfehler stillschweigend verbessert. Für die neue Auflage zB Whisky in Whiskey verändert, wo klar war, dass es sich um amerikanischen Burbon handelt. Was ich ganz sicher nicht mache, dass ich etwas auf bloße Vermutung ändere. Mich wundert, dass Sie, Herr Hillebrandt, zwar offenbar Original und Übersetzung Wort für Wort vergleichen, aber nicht die Zeit finden, zum Fremdwörterbuch zu greifen, wenn Sie etwas nicht kennen; so im Fall „kaustisch“, wo Sie nahelegen, dass müsse wohl „kasuistisch“ heißen, nur weil sie noch nie das Wörtchen kaustisch gehört haben. Um Gottes Willen! Wenn ich so vorginge, würden Sie merkwürdige Dinge lesen… Grüße CH

  14. Dietmar Hillebrandt

    @Hansen „kaustisch – kasuistisch“
    Sehr geehrter Herr Hansen,
    Ihre Unterstellung, ich hätte mir nicht die Zeit genommen, „zum Fremdwörterbuch zu greifen“ finde ich überheblich!
    Soweit wie ich es verstehe, bedeuted kaustisch (ein mir wirklich fremd klingendes Wort, ich habe es bis jetzt nur in „2666“ gelesen(aber vielleicht lese ich ja zu wenig) soviel wie „ätzend“…
    „Kasuistisch“ bedeutet „spitzfindig argumentierend“, haarspalterisch. Nun zum Gebrauch auf S. 97: Die Herren bezeichnen damit eine für sie unangenehme Nachfrage Nortons, ob sie eifersüchtig seien. Nun kann man doch wohl mit recht davon ausgehen das diese Frage von den Herren sowohl als „ätzend“, aber auch als „kasuistisch“ empfunden werden kann. Aber ich habe schon begriffen, aus dem Elfenbeinturm des Übersetzers schaut man eben ein bißchen auf die Welt herab! Die spanische Ausgabe habe ich nur von den „Telefongesprächen“, nicht von „2666“. Bei „Enrique Martin“ ist Ihnen doch offensichtlich ein Fehler unterlaufen (22 anstatt 25 Jahre), aber als Übersetzer macht man wohl gar keine Fehler, obwohl es doch „errare humanum est“ heißt.

  15. Günter Landsberger

    Da muss ich aber (mit kaustischem Humor?) den, Pardon, ganz ausgezeichneten, von mir zudem als sehr entgegenkommend erlebten Übersetzer Christian Hansen doch in Schutz nehmen. Die ein, zwei ihm unterlaufenen kleineren Versehen oder Unstimmigkeiten, auf die ich anfangs wider Erwarten beim Lesen gestoßen war, hat er doch sofort bereitwilligst und mit großer Souveränität nicht bloß zugegeben, sondern auch sehr überzeugend erläutert.

  16. Dietmar Hillebrandt

    @Landsberger („kaustischer Humor“)
    Mich würde vielmehr Ihre Meinung zu dem Wort „kaustisch“ im Deutschen interessieren und in dem angegebenen Kontext (S. 97).
    Was steht denn da im Spanischen und muß man das wirklich mit diesem „unsäglichen“ Wort „kaustisch“ übersetzen?
    Das „Whisky“ > „Whiskey“-Beispiel habe ich noch nicht ganz verstanden. Auch wenn das bezeichnete Objekt ein amerikanisches ist, warum muß es dann ein spanisch schreibender Autor amerikanisch schreiben oder es muß ins Deutsche unbedingt amerikanisch übersetzt werden. Ich muß ganz ehrlich sagen, wenn ich im Deutschen das Wort schreiben müßte, was ich ja jetzt tue, dann schriebe ich „Whisky“!

  17. Günter Landsberger

    Das Wort „kaustisch“ war mir durchaus vertraut. Wahrscheinlich habe ich es bei Jean Paul zum ersten Mal gelesen. –
    Wie kaum anders zu erwarten, heißt das fragliche Wort im spanischsprachigen Original auf Seite 101 „cáustica“, ein Wort, das bei Langenscheidt ähnlich wie das deutsche Fremdwort „kaustisch“ (vgl. „DUDEN Universalwörterbuch“) unter dem Stichwort „cáustico“ mit „ätzend, brennend“ bzw. fig. mit „beißend; bissig“ wiedergegeben wird. In der englischen Übersetzung wurde übrigens an dieser Stelle das Wort „hurtful“ (S.73) gewählt. Ein Blick in die französische Übersetzung jedoch führt uns wieder zurück zum Wörtchen „caustique“ (S.93). Da sich auch im Deutschen „kaustisch“ als Fremdwort findet wie in den genannten romanischen Sprachen, zumal der spanischen, halte ich die von Christian Hansen gewählte Übersetzung für völlig richtig.

    Umfassend über Whisky und indirekt auch über die mitunter der Sachbezeichnung wegen angemessenere Schreibweise Whiskey wird man z. B. informiert über folgenden Link:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Whisky.

  18. Christian Hansen

    Lieber Herr Landsberger, vielen Dank für die vielen Lanzen, die Sie für mich brechen. Ich bin mit meiner Antwort schon wieder zu spät dran, ich weiß. Dabei war die Diskussion um das Wörtchen „kaustisch“ drauf und dran, pataphysische Züge anzunehmen, eine Disziplin (kurz gesagt: die Wissenschaft von den Phantasielösungen), der ich sehr zugetan bin. Aber es ging nicht anders, ein weiteres ganz schmales Bändchen von Bolaño sollte noch vor Weihnachten im Verlag sein: Novelita lumpen, ein bizarr-schönes Romänchen, Bolaños letzte Buch-Veröffentlichung zu Lebzeiten, bei uns für den Herbst 2010 vorgesehen. Apropos: Sie hatten irgendwo anders nach einer möglichen Übersetzung von „Putas asesinas“ gefragt, und ich hoffe, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass die Rechte bei Hanser liegen und man eine Veröffentlichung für 2012 plant. Vorausgesetzt, dass die Leser dem Autor die Stange halten, so dass sich nicht andere Bücher vordrängeln können. Viele Grüße, Christian Hansen

  19. Der Buecherblogger

    Bevor ich mich nun hoffnungslos mit Whiskey besaufe, zwei letzte abschließende Fragen:
    Übersetzt man nah beim Autor, nah beim Leser, nah beim Text, nah bei sich selbst, nah der Wahrheit (und wenn, welche?)oder sollte man sich das beim Übersetzen lieber nicht fragen?
    Ich versuche gerade „A whiter shade of pale“ zu übersetzen, weil mir einfach keine der vorhandenen Übersetzungen gefallen hat.
    Die Poesie des Textes ist wohl unübersetzbar?
    Für die Post-Postmoderne wahrscheinlich nur lächerliche Reminiszenz.

  20. Günter Landsberger

    Vielen Dank, lieber Herr Hansen. Auch bei den neuen Bolaño-Veröffentlichungen werde ich als Leser mit dabei sein. – Zu der Handvoll bis Vielzahl von Autoren, deren Gesamtwerk mich bleibend interessiert, gehört er.

  21. Der Buecherblogger

    Herzlichen Glückwunsch! Jetzt sind wir alle unbezahlte Agenten des Hanser Verlages geworden. Lesen Sie Bolano bitte nicht in Bibliotheken, erst der Kauf wird weitere Übersetzungen ermöglichen: 2010, ein „Romänchen“, 2012 gar einen Roman.
    Die Gedichte wird es vermutlich gar nicht auf Deutsch geben, die Lektoren lesen ja mittlerweile bei geöffneter Brieftasche.
    Oh Markt, du unser aller Gott!

  22. Günter Landsberger

    Quatsch! Ich lese den unaufgelegten Ludwig Winder und den Jacob Julius David und den ganzen Ferdinand von Saar oder die werke von Gerhard Meier und Claude Simon und Jean Paul genauso wie den jetzt durch den Erfolg von „2666“ stärker zugänglich gemachten Bolaño. Dessen (in verschiedenen Verlagen) schon vorher erschienene Werke hatte ich mir ohnehin schon antiquarisch besorgt, ehe der Erfolg mit „2666“ kam.

  23. Dietmar Hillebrandt

    Touchée pour moi! „Antiquarisch“, immerhin auch noch gekauft. Aber, lieber Herr Lehrer, Sie fühlen sich als Leser zu unrecht angegriffen, ich wollte nur auf die Abhängigkeit von Verlagen hinweisen, die ihre Veröffentlichungsselektion nicht von Qualität, sondern vom Erfolg abhängig machen. Ist die Tatsache, dass wir jetzt Bolano auf deutsch lesen dürfen, nicht nur eine Reaktion deutscher Verlage auf den spanischen und angloamerikanischen Erfolg? Warum müssen Sie denn „Ginster“ in Antiquariaten kaufen, ist das Buch so schlecht?

  24. Günter Landsberger

    „Ginster“ z. B. hat es lange Zeit in der Bibliothek Suhrkamp frei verkäuflich gegeben. In Abständen wurden dann dieses und die offenbar ebenfalls nicht gut gehenden Exemplare auch anderer Bibliothek Suhrkamp – Bändchen als „Mängelexemplare“ verscherbelt. Insbesondere über Zweitausendundeins.
    Im Übrigen ist Erfolg nichts Schlechtes, wenn d i e Bücher erfolgreich sind, die es verdienen (was sicher nicht immer der Fall ist) und wenn dadurch andere Werke desselben beachtenswerten Autors überhaupt erst übersetzt und aufgelegt werden. Manche Autoren müssen auf den verdienten Erfolg viel zu lange warten; manchmal sterben sie sogar vorher.
    (Ich habe übrigens des öfteren das Glück gehabt, rechtzeitig auf Bücher zu stoßen, die der Markt noch nicht für den alsbaldigen großen Erfolg für sich entdeckt hatte. – Zudem: Wie war und ist das mit der Erfolgskurve von Stendhal, von Georg Herrmann, von Hermann Lenz, von Canetti? Um mal nicht Hölderlin oder Jean Paul oder Emmanuel Bove oder Hans Henny Jahnn zu nennen.) Klar, eine ganze Reihe von Autor…en verdienen es auf Dauer bekannt zu sein und gelesen zu werden. Aber warum sollte man einen Verlag tadeln, wenn er die Gelegenheit für den Erfolg eines Autors beim Schopfe ergreift? Gerade der Hanser Verlag (und nicht nur der) tut dies doch auch mit Weitblick bei anderen Autoren.
    Und was machen die öffentlichen Büchereien? Sortieren sie nicht nach und nach (in immer kürzeren Abständen) jene Bücher aus, die nur selten oder gar nicht ausgeliehen werden? Und das sind nicht immer die schlechtesten. Ein neuwertiger Lyrikband von Theodor Kramer z. B. wurde so bei einer bestimmten Stadtbücherei vor nicht allzulanger Zeit für ganze 0,50 Euro abgegeben.

  25. Günter Landsberger

    @Dietmar Hillebrandt
    Zum Tode Hermann Ungars vor 80 Jahren schrieb Paul Kornfeld u.a. das Folgende:
    „Er hat drei Prosabücher veröffentlicht. Von ihnen allen zusammen wurden drei- bis viertausend Exemplare verkauft. Es soll niemandem einfallen, diese Zahlen mit den Auflagen der Unterhaltungslektüre zu vergleichen; wohl aber kann man sie vergleichen mit den Auflagen, die die Scheinliteratur, die Scheinkunst, die jeweilige Saisonkunst erlebt, und wenn man es tut, dann kann man nur mit Mühe seinen verzweifelten Zorn unterdrücken. Drei Bücher in drei- bis viertausend Exemplaren verkauft!“
    (Vgl.: Das Tagebuch, Jg. 10, H.44, 2.11.1929, S.1840)

  26. Pipi

    Ich dachte, ich könnte hier Kommentare zu den Erzählungen lesen. Vielleicht könnten die Herren ihre persönlichen Streitgespräche lassen oder bei anderer Gelegenheit austragen und sich auf das Thema konzentrieren?
    Das wäre sicherlich nicht nur mir sehr lieb!

Schreibe einen Kommentar

Basic HTML is allowed. Your email address will not be published.

Subscribe to this comment feed via RSS